Am anderen Ende der Welt

In meinem letzten Schuljahr schrieben wir eine Abschlussarbeit, das Thema war frei wählbar. Zuerst war mir das viel zu grosszügig. Ich hatte nicht die geringste Ahnung über was ich schreiben könnte… Bis ich mich an ein Bild vom Ayers Rock in einer Zeitschrift erinnerte. Fasziniert von diesem Blitzgedanken informierte ich mich über diesen roten Berg und das dazugehörige Land. Schliesslich entschied ich mich, eine detaillierte Reise einer fiktiven Familie um diesen riesigen Kontinent, Land und Insel AUSTRALIEN zu schreiben. Für den praktischen Teil bastelte ich ein hölzernes Puzzle. Zumal ich überhaupt keine Ahnung über Australien hatte, war ich gezwungen, enorm viel Zeit in genaue Recherche zu investieren. Je mehr ich herausfand, umso mehr wollte ich wissen. So lernte ich dieses Land kennen. So lernte ich es lieben. Und so wurde ein grosser und folgenschwerer Traum geboren.

Natürlich konnte ich nicht einfach meine sieben Sachen packen und nach Australien verreisen. Nach der Schule machte ich eine KV-Lehre und arbeitete dann noch für ein paar Monate. In dieser Zeit sparte ich wie verrückt. Am 4. Januar 2013 begann ich endlich, meinen Traum zu leben: Ich flog nach Sydney, meinem ersten Stop in Australien. An Board der geräumigen A380 war nicht nur viel zu viel Gepäck von mir sondern auch mein Retourticket, welches für Ende Juni gebucht war. Jedoch kam alles anders. Nach 12 Wochen in Sydney – wo ich eine geniale Zeit mit Leuten aus aller Welt hatte – reiste ich rund um Australien. Anschliessend flog ich nach Fiji für erholsame Ferien vom Reisen.

Während dieser Zeit am anderen Ende der Welt machte ich nicht nur unvergessliche und unbezahlbare Erfahrungen sondern auch eine wichtige Entscheidung: Meine Rückreise noch nicht anzutreten. Sobald ich zurück in Sydney war, begann ich, eine Verlängerung zu planen. Ob das überhaupt möglich war, war von vielen Faktoren abhängig und so verschob ich meinen Flug nur zwei Tage bevor er stattgefunden hätte. Ich blieb erst noch länger als erwartet in Sydney, wo ich mich wie zuhause fühlte. Die Stadt, wo ich nicht aufhören konnte zu lächeln. Alleine das Schlendern durch die Strassen liess eine unbändige Freude in mir aufkommen. Sydney ist definitiv einer meiner Lieblingsplätze auf der ganzen Welt. Trotzdem blieb ich nicht mehr viel länger als zwei Wochen. Mein nächster Stop war Singapur, folgen würde ein grosser Teil von Südostasien während weiteren vier Monaten. Ich plante und buchte nichts im Voraus und reiste einfach dahin, wo ich gerade wollte. Asien kann man offensichtlich überhaupt nicht vergleichen mit Australien. Sprache, Kultur, Schrift, Organisation, Essen, … Nicht einmal ähnlich wie die zahlreichen China-Viertel in Australien war es. UND es war trotzdem oder gerade deswegen wunderbar!
countries_bIch reiste durch folgende Länder: Singapur, Malaysien, Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam und Hong Kong. In Siem Reap (Kambodscha) traf ich ein Team von der Freikirche und NRO (Nichtregierungsorganisation) „ICF Cambodia“. Von ihnen wusste ich dank zwei Schweizern, welche mir vage geschrieben hatten, dass da jemand etwas gestartet hätte. Ich kannte ICF (International Christian Fellowship) vorher schon und wollte natürlich herausfinden, was da passierte. Von Anfang an verstand ich mich sehr gut mit dem Team. Statt drei Nächte blieb ich schlussendlich zehn. Während dieser Zeit geschah vieles und ich bekam sogar die Chance ein Projekt für sie zu machen: Countdown ICF Cambodia. Ein paar Wochen später entschied ich mich, zurück nach Kambodscha, zurück nach Siem Reap, zurück zum ICF zu gehen. Irgendwann.

Am 30. Oktober 2013 betrat ich das letzte Flugzeug dieser Reise, Nummer 11. Ich glaube, nicht 10’000 Wörter sind fähig zu beschreiben, was für eine grossartige Zeit ich hatte, welch überwältigende Landschaften ich sah, welch lustigen Erfahrungen ich machte, welch einmalige Menschen ich kennen lernte, was für interessante Orte ich besuchte, was für deliziöse Speisen ich ass, was für atemberaubende Aussichten ich genoss, … Als ich in Zürich landete, brachte ich zehn neue Währungen und über 13’000 Fotos mit. Ausserdem musste ich die Zeit zum 15. Mal umstellen. Naja, ich ruinierte/verlor einige Sachen, aber was um einiges wichtiger ist, sind die unzähligen Erinnerungen, welche niemand weder stehlen noch zerstören kann. Ich flog mit dem Wissen zurück, dass es nicht lange dauern würde, bis ich die Schweiz wieder für längere Zeit verlasse. Aber ich wagte noch nicht zu denken, dass dies bereits nach acht Monaten sein wird!