Arbeitsprofil eines Elevate Mommy’s

Alltag

Es ist früh am Morgen, 6.45 Uhr, ich bin auf dem Weg zur Baustelle für Elevate Campus. Früher brauchte ich doppelt so lange um dorthin zu fahren, doch heutzutage fliege ich in wenigen Minuten über die staubige, holprige, löchrige „Strasse“. Ich kenne sie zu gut und würde mich wahrscheinlich im Schlaf zurechtfinden. Im Rückspiegel sehe ich einen roten Feuerball aufgehen. Es ist bereits heiss, bestimmt bald über 30°C, oder sogar über 40°C und der tadellos blaue Himmel verspricht kein Erbarmen. Wahrscheinlich wird wieder ein Tornado vorbeischauenSo wie gestern. Und vorgestern. Und letzte Woche.

Tornado

Tornado

An einer Ecke unseres gebaggerten Sees versammeln sich etwa 60 Arbeiter. Sobald die meisten hier sind, verlese ich alle Namen und markiere auf meiner Liste, wer fehlt. Sogar nach Dutzenden Durchgängen mangelt es mir an der richtigen Aussprache der doch eher komplizierten Namen. „Haun, Haoun, Ha-o-un, Ha-u-on??“ – Gelächter. Irgendwie kriegen wir es jedoch immer hin – auch wenn sie nur „Nein“ und „Okay“ in Englisch können. Ich bin dankbar, dass mein Khmer weit besser ist als ihr Englisch. Gleich nach der Registration beginnen sie an der Uferbefestigung zu arbeiten und ich eile zur anderen Seite des Sees.

Um das Ufer zu sichern, verwenden wir Rip-Rap – ein System mit Balken, Pfeilern, Steinen und Zement. Ausserdem gibt es eine kleine Strasse rundherum und eine erhöhte Ebene, worauf wir Plätze zum Entspannen und Zuschauen planen.

Die Lastwagen- und Baggerfahrer begrüssen mich wie üblich mit einem breiten aber verschlafenen Lächeln. Zuerst messen wir den Dieselstand in ihrem Tank um sicher zu gehen, dass kein Diesel gestohlen wird. Vertrauen ist gut, Kontrolle manchmal besser. Meistens macht dies Channa (bei ICF angestellt). Nachher erkläre ich ihr den heutigen Arbeitsplan und sie übersetzt es. Jedoch ist sie auch nicht immer hier. Ausserdem ändern unsere Pläne gerne mal im Verlauf des Tages. In jenen Fällen versuche ich ihnen selber Anweisungen zu geben, oder bitte Bora um Hilfe oder notfalls ihr Boss – der meist Golf spielt oder ähnlich.

Immer wieder mal sehe ich Chamroeun, den Bauführer für unser Haus. Er hat ein unglaubliches Vertrauen in meine Khmerkenntnisse und redet jedes Mal munter drauflos, erklärt mir, was momentan auf dem Tagesprogramm steht oder was er von mir braucht. Tatsächlich besitzt er die geniale Begabung das Ganze so zu gestalten, dass wir uns irgendwie immer ohne Übersetzer verstehen.

Den Tag durch gehen wir – ich und/oder Camil – herum und kontrollieren die Arbeit/er, organisieren, was auch immer benötigt wird, haben Sitzungen mit Koni, Bora und Co. – und vieles mehr. Wir selber sind meist nicht 100% dort, zumal wir auch noch andere Arbeit haben. Aber wir versuchen, so oft wie möglich da zu sein, Kontrolle ist sehr wichtig – gerade weil niemand sowas schon mal gebaut hat und weil wir wahnsinnig viel Wert auf genaue Arbeit legen. Es kann schon mal an den Nerven zerren. Denn was man den Arbeitern gestern sagte, darf man heute wiederholen. Und wahrscheinlich in zwei Tagen nochmals… Ausserdem muss immer wieder auf Sachen wie intelligente Teambildungen, richtiger Arbeitsablauf, …, beharrt werden.
Kurz vor 13.00 Uhr registrieren wir die Arbeiter nochmals. Um 17.00 Uhr öffnen wir den Dieselcontainer und innert 3/4-1.5h tanken wir die Fahrzeuge auf. Dies an sich ist ein Augenschmaus: Die Fässer werden mit dem Bagger hochgehoben, und dann wird mit dem Schlauch getankt. Zudem kontrolliere und unterschreibe ich die Arbeitsstunden sowie messen wir wieder den Dieselstand.
Auf Elevate arbeiten unsere Arbeiter von Montag-Samstag, 7.00-11.00 Uhr & 13.00-17.00 Uhr – resp. ~18.00 Uhr für die Fahrer.

Schlüsselpersonen auf Elevate

BORA. Kambodschaner. 29 Jahre alt. Hat eine Frau. Der einzige (Externe), der Englisch spricht. Sowas wie ein Bauführer und Bastler. Einzigartig. Was auch immer wir brauchen – WC-Haus, Renovationen, Installationen, neue Fenster, usw. – er findet die richtigen Leute und macht es für gute Preis-Leistungskonditionen. Er ist zuständig für die ~70 Personen, die bei der Uferbefestigung arbeiten. Bora ist verantwortlich für das Material sowie auch, dass die Arbeit unseren Wünschen entsprechend ausgeführt wird. Mit ihm habe ich jede Menge Sitzungen bezüglich Rechnungen, Qualität, und anderen Forderungen. Auch er ist nicht immer auf Elevate, darum haben wir noch ein Bruderpaar als Leiter namens Turk und Ark. Die beiden führen vor Ort und sind meistens meine Ansprechspartner.

KONI. Unser Superhirn. Herausfordernder Boss. Er ist hauptsächlich dafür verantwortlich das GROOOSSE Bild zu sehen, verrückte Ideen zu haben und wild zu träumen – besonders um 3 Uhr morgens. Ausserdem hat er immer das Auge für Sachen, die wir optimieren und ändern können. Und er ist jener, der solch unbeschreibliches Vertrauen in mich hat, zumal er wollte, dass ich diesen Job übernehme. Zusammen machen wir Brainstorming und halten Diskussionen. Und er arbeitet viel im Hintergrund, sammelt und vergleicht Offerten, berechnet, findet Lösungen, ………………..

CAMIL. Kann fast ALLES reparieren. Hat viel nützliches, technisches Wissen. Die beste Rechte Hand, die man sich denken kann. Seit wenigen Wochen in Kambodscha. Er organisiert Dinge wie Steinrutschbahn, Generator, Wasserpumpe, Röhren, usw. Wir teilen uns viel Arbeit: Registration vor 7.00/13.00 Uhr, Arbeit an der Uferbefestigung zu überprüfen, Sitzungen, und was auch sonst noch so anfällt.

CHANNA. Angestellt bei ICF. Superwoman. Nur 20 Jahre jung. Meistens am Morgen meine Übersetzerin. Geht super mit den Fahrern um. Für die Bestellung tausender Liter Diesel verantwortlich.

Äh ja, und da wäre ja noch ich. VIVI. Oder: ELEVATE MOMMY. Baustellenführerin – gleich nach Koni. Die Arbeiter sind nicht einfach nur meine Arbeiter sondern eher ein Teil meiner riesigen Elevate Familie – fühlt sich zumindest ein bisschen so an. Die Maschinen und Fahrzeuge sind irgendwie wie „Kinder“ – mit viel Fantasie. 😉 Unter anderem bin ich für das Personalwesen zuständig: Jede zweite Woche entnehme ich der Registrationsliste die genaue Anwesenheit jedes einzelnen Mitarbeiters und fertige einen detaillierten Lohnausweis an. Des weiteren gehe ich zur Bank und wechsle Hunderte Dollars in die verschiedensten Noteneinheiten sodass ich zuletzt jeden Lohn bar auszahlen kann. Bei über 60 Mitarbeitern dauert das jeweils ein paar Stunden. Zu meinem restlichen Arbeitsbereich gehören zudem Erklärungen und Anweisungen, Materialeinkauf und Zahlungen, unzählige Sitzungen, Diskussionen, Entscheidungen und alles andere, das gerade so abgeht (es ist eine laaaange Liste). In unserer Elevate Wüste bin ich mehrere Stunden täglich und wechsle immer wieder den Arbeitsplatz von dort in die Stadt und zurück.

Erfahrung?

Niemand von uns hat so wirklich. Koni war in der Schweiz Elektriker und hat natürlich einen Haufen Lebenserfahrung. Aber das war’s, schätze ich. Ich arbeitete früher als Kauffrau/Springer in einer Leuchtenproduktions- und Handelsunternehmung – das Einzige, was mich in meinem früheren Leben mit Baustellen verbunden hatte, waren vielleicht die Lieferungen zum neuen Bürogebäude in XY. Oder einen schreienden Ingenieur am Telefon zu haben, der die Garantieleistung für etwas wollte, was sie selber kaputt gemacht haben. Oder den CAT-Bagger im James Bond Film „Skyfall“ zu sehen.
Alles, was es braucht, ist Leidenschaft – und das haben wir. Einen Haufen. Ich LIEBE die Baustelle. Ich LIEBE die grossen Maschinen und Fahrzeuge, den Dreck und Staub. Noch immer bin ich fasziniert von der immensen Kraft der Bagger, welche die schwere, nasse Erde schaufeln als ob es Federn wären. Ich LIEBE die Mitarbeiter und habe Respekt für jeden einzelnen. In dieser extremen Hitze jeden Tag zu arbeiten ist nicht ganz ohne.

Und wie Koni es ausdrückt: „Alles, was du brauchst ist gesunder Menschenverstand und das hast du. Du kannst diesen Job ausführen.“ Punkt.

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