Kambodscha

Pionierarbeit vom Feinsten

„Hey Mamacita
wo söll‘s dänn higah?
London, Paris oder Rom? […]“

(„Hey Mamacita
wohin soll es gehen?
London, Paris oder Rom? […]“)

Bligg, ein Schweizer Rapper, schrie dies in meine Ohren um 4 Uhr morgens am Samstag, 13. Juni. Durch einen Schlag auf die Schlummertaste verstummte er. Halt die Klappe, dachte ich und drehte mich zur anderen Seite.
Fünf Minuten später, fragte er mich wieder, „… wohin sollen wir gehen?“.

ZUM ELEVATE CAMPUS, NATÜRLICH !!!

und JETZT. STEH. AUF. !!!

Von Sandstürmen, Eiscreme und Freundschaft

Eine wundervolle Ära kam vor ein paar Wochen zu einem Ende. „Meine“ Fahrer verliessen die Baustelle Elevate. Es war an der Zeit, zumal die erste Bauphase vollendet ist. Und zumal die Regensaison langsam anfing und es wegen dem Schlamm immer schwieriger wurde, mit den Lastwagen zu fahren.

Zusammen standen wir früh auf und arbeiteten bis spät. Wir schwitzten. Wir feierten und tanzten. Spielten Fussball mit leeren Wasserflaschen – Recycling! Gingen schwimmen. Lachten, scherzten, genossen unsere Freundschaft. Feierten Geburtstag. Zusammen litten wir, wenn ein Lastwagen steckenblieb oder eine Maschine kaputt ging. Wir suchten Schutz vor dem starken Wind oder Regen. Sie lehrten mich, den grossen Bagger zu fahren (- nicht einfach!). Mehr Khmer zu reden und verstehen. Und sie lehrten mich viel über ihr Leben, ihre Familie, ihre Kultur. Doch meine Versuche, ihnen Englisch oder Schweizerdeutsch beizubringen, scheiterten kläglich.

Sie sind mehr als Arbeiter. Eher wie Freunde – oder sogar Brüder für mich.

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Aus den Augen, aus dem Sinn?

Vor zwei Wochen musste ich einem grossen Teil meiner Elevate-Familie „Auf Wiedersehen“ sagen. 85 Frauen und Männer gingen zurück in ihre Dörfer. Die meisten von ihnen haben noch keine neue Arbeit. Ich frage mich, was sie machen werden?

Viele wollten noch länger mit uns arbeiten. Nicht nur, weil wir ihnen faire Löhne auszahlten. Sie sagten, sie liebten es, mit uns zu arbeiten, obwohl die Konditionen (besonders die Hitze) nicht einfach waren.

Warum denn?

Arbeitsprofil eines Elevate Mommy’s

Alltag

Es ist früh am Morgen, 6.45 Uhr, ich bin auf dem Weg zur Baustelle für Elevate Campus. Früher brauchte ich doppelt so lange um dorthin zu fahren, doch heutzutage fliege ich in wenigen Minuten über die staubige, holprige, löchrige „Strasse“. Ich kenne sie zu gut und würde mich wahrscheinlich im Schlaf zurechtfinden. Im Rückspiegel sehe ich einen roten Feuerball aufgehen. Es ist bereits heiss, bestimmt bald über 30°C, oder sogar über 40°C und der tadellos blaue Himmel verspricht kein Erbarmen. Wahrscheinlich wird wieder ein Tornado vorbeischauenSo wie gestern. Und vorgestern. Und letzte Woche.

Tornado

Tornado

An einer Ecke unseres gebaggerten Sees versammeln sich etwa 60 Arbeiter. Sobald die meisten hier sind, verlese ich alle Namen und markiere auf meiner Liste, wer fehlt. Sogar nach Dutzenden Durchgängen mangelt es mir an der richtigen Aussprache der doch eher komplizierten Namen. „Haun, Haoun, Ha-o-un, Ha-u-on??“ – Gelächter. Irgendwie kriegen wir es jedoch immer hin – auch wenn sie nur „Nein“ und „Okay“ in Englisch können. Ich bin dankbar, dass mein Khmer weit besser ist als ihr Englisch. Gleich nach der Registration beginnen sie an der Uferbefestigung zu arbeiten und ich eile zur anderen Seite des Sees.

14.-16.04.2015 – Happy Khmer New Year

 

Möge heute Friede mit Dir sein.
Vertraue, dass du genau da bist, wo du sein sollst.
Vergesse die unbegrenzten Möglichkeiten nicht, die
geboren werden in Glauben an Dich selber und andere.
Gebrauche die Talente, die Du empfangen durftest und
gebe die Liebe weiter, die Dir gegeben wurde.
Sei zufrieden mit Dir selber, genau wie Du bist.
Lass dieses Wissen in Dein Blut sinken und gib Deiner
Seele die Freiheit zu singen, tanzen, loben und lieben.

Lücken schliessen, Kreise durchbrechen

Monsterrutschbahn. Fahrradrennbahn. Ausbildungszentrum. Hindernisbahn. Baggersee. Sportfelder. Kurse. Wakeboardlift. Eventhalle. Aufgeschütteter Hügel. Schattenplätze für Zuschauer. Restaurants. Lebensunterstützende Programme. Hängematten.

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Das sind nur einige der vielen Projekte, welche wir angefangen haben zu bauen – oder welche zumindest in unseren Köpfen, Visionen und Träumen sind. Elevate Campus – ein Hilfswerk und Schwester der Kirche ICF Cambodia – dreht sich um Spass, Sport, Ausbildung und grundlegende Gesundheitsversorgung. Auf unserem Herzen sind vor allem Kinder und junge Erwachsene. Die neue Generation. Die Generation, welche die Führenden von Morgen sein werden. Die Zukunft von Kambodscha. Wir wollen Veränderung in ihren Leben, Familien, Distrikts, Siem Reap, Kambodscha sehen. Unsere Vision ist es, den Kreis der Armut, Langeweile und ungenügenden Bildung zu brechen. Wir wollen die neue Generation stärken. Unser Ziel ist es, einen langfristigen Unterschied zu machen, indem wir jegliche Charakteren unterstützen und wertschätzen. Wir erstreben bedingungslose Integration für alle, in einen Campus, wo man verschiedene Sportarten ausführt, zusammen Spass hat, Freizeitbeschäftigen nachgeht, spezifisches Kurse besucht, Freunde findet. Wir bauen einen Park, wo Kinder, Teenager und Erwachsene ihren schwierigen Alltag vergessen können und stattdessen sorgenlose Momente sowie Wertschätzung, Interesse und Liebe erleben. Glaube es oder nicht, in Kambodscha sind diese Werte nicht selbstverständlich.

Mein neuester Streich

Ich bin umgezogen. Das Leben in meinem kunterbunten Zimmerchen, das ich langsam lieb gewonnen hatte, hat ein Ende genommen. Früher als erwartet. Moment! Erwartet war es gar nie. Mein neues Zuhause ist eine Villa für meine Verhältnisse – ein normales Haus für deine, vielleicht. Ich bin umgezogen, ja, aber das ist noch lange nicht alles.

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Wie es dazu kam? Naja, da war eine Idee in meinem Kopf hängen geblieben. Und dann ZACK BUMM war sie bereits Realität geworden. Zu schnell ging es um mitzuhalten. Zu schnell um einen Plan, ein Konzept, ein System auszuarbeiten. So schnell, dass ich kaum Zeit hatte, davon zu träumen, geschweige denn, mir Anti-Gründe zu überlegen. Schnell ging es, ja. Doch dies brachte 1001 Herausforderungen mit sich. Ohne Übertreibung!

Asiatische Weihnachten. Oder: es gibt immer ein erstes Mal

Ich war noch nie ein grosser Fan von Weihnachten, zumal ich die Feier oft als künstliches Muss wahrgenommen habe. Man kommt zusammen, weil man das muss, weil sich jeder trifft und weil es das ist, was man an Weihnachten macht. Punkt. Doch dieses Jahr war Weihnachten eine komplett neue Erfahrung. Für mich war es das Jahr der Premieren.

asiatische Weihnachtsdeko mit "Kunst-Schnee"

asiatische Weihnachtsdeko mit „Kunst-Schnee“

Es war das allererste Mal, dass ich Weihnachten im Ausland gefeiert habe, tausende von Kilometern von der Schweiz entfernt. Nicht nur war meine Familie abwesend sondern auch meine engen Freunde, mit welchen ich aufgewachsen bin. Weihnachten in einem anderen Land mit komplett anderer Kultur und anderem Glauben. Ein Land, welches nur zu feiern scheint, weil es der Westen macht und es somit einen Grund mehr für eine Party gibt. Zusammen mit Schweizern, Deutschen, Amerikanern und Kambodschanern – die meisten kenne ich seit ein paar Wochen, vielleicht wenigen Monaten.
Es war aber auch das erste Mal, wo Schnee, echte Weihnachtsbäume und Kälte fehlten – das Thermometer würde nicht weniger als 18°C anzeigen. Nicht, dass ich das schlimm gefunden hatte… 😉
Als besondere Abrundung bekam ich einen Berg Verantwortung über etwas, was ich in meinen Leben noch nie gemacht oder erlebt habe – noch nicht mal etwas Vergleichbares.

Das geordnete Verkehrschaos

Der Verkehr in Kambodscha unterscheidet sich vielleicht ein kleines bisschen von was du dir gewohnt bist. Es kann viel Zeit beanspruchen, bis man sich einigermassen sicher fühlt. Es hat haufenweise Motorräder, Fahrräder, Tuk Tuk’s und vergleichsweise nur wenige Autos auf der Strasse. Das Ganze sieht wie ein einziges Durcheinander aus, funktioniert jedoch ziemlich gut.

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Platte, eiernde oder wackelnde Reifen gehören zur Tagesordnung. Ich hatte schon zwei Mal einen Platten. Aber Gott sei Dank waren beide Male Mechaniker in der Nähe. Das erste Mal passierte bereits nach drei Wochen auf einer langen, geraden Strasse, ein bisschen ausserhalb der Stadt. Aus dem Nichts kam ein kleiner Bube und zeigte mit dem Finger auf eine Miniwerkstätte. Kleiner Engel. Ohne ihn hätte ich nicht gewusst, wohin zu gehen. Bereits drei Mal ist mir das Benzin ausgegangen – was ich natürlich meiner eigenen Faulheit und Unaufmerksamkeit zuschreiben muss. Einmal passierte es mir in der Mitte der Kreuzung. Super Timing. Es ist aber ziemlich amüsant, wie viele lachende Gesichter du siehst, während du das Motorrad zur nächsten Tankstelle stosst… 😉

Geld – Freund oder Feind?

„Geld besteht aus Zahlen und Zahlen enden nie. Wenn es Geld braucht um glücklich zu werden, wird die Suche nach purer Zufriedenheit nie enden.“

Geld hat zwei Seiten. Es kann Menschen in „Monster“ verwandeln, welche sich um nichts anderes als Geld sorgen. Es kann einen geizig und egoistisch machen. Es kann zu einer Gottheit werden, welche wichtiger ist als andere Leute und Beziehungen, Freizeitaktivitäten, frühere Werte. Geld hat Macht. Macht zu zerstören…

…und Macht zu kreieren und wiederherzustellen. Es kann natürlich auch zu Grosszügigkeit verführen. Geld kann Leben auf eine positive Art und Weise ändern. Nicht nur ist es das Mittel, Nahrungsmittel und Wasser, Elektrizität, Kleider zu erwerben. Es kann auch in Menschen und Organisationen investiert werden, welche Menschen zur Selbsthilfe verhelfen.

100 Riel = USD 0.025

100 Riel = USD 0.025

Finanzielle Situation in Kambodscha

Kambodscha ist ein sehr armes und unterentwickeltes Land. Vielleicht realisierst du dies weniger, wenn du nur die Sehenswürdigkeiten besuchst und dich im relativ modernen Stadtzentrum aufhälst, wo es Lichter, Musik und Steinhäuser gibt. Die Einheimischen wollen natürlich die Armut nicht zeigen. Alles ist so schön wie möglich gemacht – meist für die Touristen.