Kambodscha

Die Vielseitigkeit Kambodscha’s

Gestern Abend hatte ich die Idee, aus bereits bestehenden Film- und Fotomaterial ein Video zu kreieren. Stundenlang war ich beschäftigt; die Zeit hatte ich schon längst vergessen. Die Müdigkeit kam, die Motivation blieb. Als der erste Entwurf fertig war, blieben mir noch drei Stunden Schlaf. Na dann mal los!

Den ganzen Film habe ich heute nochmals überarbeitet – mit aufgetankter Energie und Konzentration. Er dient vor allem dem Zweck, die Schönheit Kambodscha’s aufzuweisen. Ich versuchte, den kambodschanischen Alltag einzufangen. Die grosse Herausforderung war, irgendwann einen Schluss zu machen. Man könnte diesen Film auf drei Stunden erweitern, was jedoch zu dem einen oder anderen müden Auge bei dir und einem abgestürzten Laptop bei mir führen würde. Aber wer weiss, vielleicht habe ich ja wieder einmal so eine kreative Nacht und mache eine Fortsetzung…?

Es sind alles Situationen, die ich genau so angetroffen habe. Nichts wurde eingespielt, vorbereitet oder besprochen (ausser bei dem Wasserbüffel, den wollte ich dazu motivieren ins Wasser zu steigen, was jedoch nicht viel brachte).

Schweigen soll ja bekanntlich Gold sein.
Darum sage ich jetzt nur noch:

FILM AB!

Spektakulär. Einzigartig. Ungewöhnlich.

Da standen sie nun dicht aneinander gedrängt vor dem Eingang des Tonle Mekong Restaurants. Die ersten sind bereits vor 17.00 Uhr angekommen, seither ist die Gruppe unüberseh- und unkontrollierbar gewachsen. Das Ganze erinnerte an ein Ameisenvolk, wo eine Ameise eine leckere Bananenschale gefunden hatte und sich nun das ganze Volk dort versammelte. Aktuelle Musikhits dröhnten aus den Lautsprechern, gemixt wurden sie von unserem DJ. Auf der vielbefahrenen Hauptstrasse, welche am Restaurant vorbeiführt, stoppten andere Einheimische ihre Motorräder und Tuk Tuk’s und beobachteten neugierig das Geschehen. Von oben sah das Menschenmeer zwar gross aber ganz entspannt aus. Doch spätestens wenn man versuchte, sich zum Eingang durchzukämpfen, realisierte man, wie eng die Menschen standen. Ein freundliches „entschuldige bitte“ half nicht mehr gross, Durchboxen war effektiver. Spannung lag in der Luft. Die wenigsten konnten sich ausmalen, was sie bald sehen würden. Vorfreude zeichnete sich auf den vielen Gesichtern ab. Vorfreude auf ein gewaltiges Spektakel, auf eine etwas andere, einzigartige Feier. Etwas, das sie noch nie in dieser Form erlebt hatten. Vorfreude auf das Grand Opening des ICF Cambodia.

Drei Wochen zuvor hatten wir noch frisch gedruckte Tickets in den Händen. In einer Sitzung besprachen wir Verteilstrategien. Besonders Wert wurde darauf gelegt, dass wir den Empfänger spüren lassen, dass es etwas Besonderes ist und er unbedingt kommen soll. Einige zweifelten, dass wir die 3600 Gratis-Tickets überhaupt losbringen würden.
Zehn Tage später hatten wir keine Tickets mehr. Von einem ca. 60-köpfigen Team wurden innerhalb weniger Tage 3600 Tickets verteilt! Natürlich tauchte dann vor allem bei uns „Ausländern“ die Frage auf, wie dies geschehen konnte. Von den Einheimischen wollten wir wissen, wer wie viele an wen verteilt hatte. Es stellte sich heraus, dass das Schneeballsystem in Kambodscha bestens funktioniert. Doch werden genug Leute kommen, um den Saal zu füllen?

Countdown für Grand Opening

Endlich! Hier ist der neue Countdown, welchen wir für das Grand Opening des ICF Cambodia produziert haben:

Einige Zahlen:
ein paar Stunden und 3 Spraydosen brauchte ich um den Stuhl gelb einzufärben
unzählige Kilometer fuhren wir, um zu verschiedenen Orten zu gelangen
3 Wochen lang sind wir immer wieder auf die Strasse und haben Leute angequatscht, sie um Teilnahme gebeten und fürs Grand Opening eingeladen
7 Tage und Nächte hatte ich Zeit, um die …
100 Filme nachzubearbeiten, zu schneiden, zusammenzufügen, etc.
– wir filmten 100 verschiedene Menschen in …
100 verschiedenen Situationen
8 Exporte musste ich machen und begutachten, zumal mein Computer zu langsam war um mir das Resultat jeweils direkt im Programm ansehen zu können
14 Stunden dauerte der letzte Export – und wurde …
9 Stunden vor dem Start des Grand Openings fertig – ufff.

„Zu tun, was man mag, bedeutet Freiheit, …

…zu lieben, was man tut, bedeutet Zufriedenheit.“

Bitte entschuldige, dass ich solange nichts geschrieben habe. Ehrlich gesagt war ich wahnsinnig beschäftigt. Nicht nur machte ich es mir mehr und mehr gemütlich, sondern es ging auch nicht lange, bis ich mit vielen neuen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert wurde. In den ersten Tagen meinte ich noch, dass ich einen ruhigen Start haben werde und auch nie extrem gestresst sein werde. Ich dachte, dass ich jede Woche mindestens einen halben Tag hätte, um für meine Webseite zu schreiben. Doch dies waren nur meine Gedanken. In der Realität kam alles anders. Nun schreibe ich, sobald ich ein paar leere Minuten finde, damit ich diesen Eintrag baldmöglichst fertig bringe. Einmal liess ich mein Motorrad waschen und schrieb während dem Warten oder wenn es wegen Regen eine Pause gab bei der Filmarbeit, nutzte ich auch diese. Und nun, wo ich krank bin, habe ich sogar Zeit, mein Geschriebenes zu veröffentlichen.
Sicherlich fragen sich nun die einen oder anderen, was ich tagein, tagaus mache. Lass es mich erzählen.

Nur in Kambodscha: Wenn der Kühlschrank zum Backofen wird

Stromausfälle kümmern mich nicht. Auch vier Stromausfälle an einem Tag gehen klar. Ich wusste, diese würden ab und zu vorkommen. Damit kann ich leben.

Aber was ich nicht mag, ist, wenn ich Stunden nachdem der Strom wieder zurückgekehrt war, den Kühlschrank öffne und mir eine Hitzewelle entgegenschlägt. Die Luft, welche hineingeblasen wird, ist wärmer als mein (unklimatisiertes) Zimmer. Entschuldigung, aber mein Kühlschrank ist kein Backofen!

Ok. Ruhig bleiben. Nicht emotional werden. Einatmen. Ausatmen.

Die etwas andere Kultur von Kambodscha

Natürlich unterscheidet sich die kambodschanische Kultur von solchen der Länder ausserhalb von Asien. Sogar auch in Asien selber variieren gewisse Merkmale nicht selten. Wie bei anderen Ländern setzt sich die Kultur aus einer Mischung von den Einflüssen anderer Nationen, Geschichte (lies diese hier), Religion, Regimen und ihren Regeln zusammen. Ausserdem beeinflussen positive und negative Erfahrungen sowie auch neue Trends die Gewohnheiten, meist in einem Prozess, der Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte dauern kann. Kambodscha’s Kultur ist extrem komplex. Infolgedessen ist es auch nicht immer einfach, sie zu verstehen und richtig umzusetzen. Ich habe bereits viel gehört, gesehen, erfahren, gelesen und werde nun versuchen, einen Überblick zu vermitteln. Zudem will ich versuchen, einige Hintergründe weiterzugeben, welche oft meiner persönlicher Ansicht entsprechen. Bitte verstehe, dass schlussendlich jede Person verschieden ist, daher gibt es Menschen, zu welchen diese Beschreibungen ziemlich gut passen und natürlich auch solche, die merklich anders sind.

Culture

Wie einige Charakteristika sind
Kambodschaner schreien einander nicht an. Je wichtiger eine Diskussion wird, umso leiser reden sie. Zum Beispiel, wenn du an einem Marktstand um einen Preis feilschst, senkst du besser deine Stimme. Auf diese Art und Weise werden sie dir mehr Respekt entgegenbringen und du wirst mehr Erfolg haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies von der Vergangenheit kommt: Kambodscha hatte so viele verschiedene, brutale Führungspersonen und -gruppen und Kriege, wo sie wahrscheinlich immer wieder mal angeschrien wurden (z. B. Befehle). Und so hat sich das Ganze um 180° gedreht – als ob ein Gegenpol gesetzt werden soll.
Hilfreich ist immer, Geduld zu zeigen und es nicht eilig zu haben. Je länger du wartest und zögerst, um so mehr Rabatt geben sie dir. Die Zeit hat hier eine andere Bedeutung als in der Geschäftswelt vom Westen. Was du heute nicht fertig machen kannst, mach morgen. Oder übermorgen. Oder eine Woche später. Ich liebe diese beiden Merkmale, sie geben dem Leben einen lockeren Touch. Jedoch meint dies auch, dass sie nicht gross Wert auf Pünktlichkeit legen – und dies ist etwas, wo wir Schweizer bekannt dafür sind …

Déjà-vu – déjà-écouté – déjà-senti..?!

Allen Verwandten und Freunden „auf Wiedersehen“ sagen zu müssen, war ein langer Prozess, welcher bereits über einen Monat, bevor ich die Schweiz verliess, begonnen hatte. Ich persönlich finde dies einer der schlimmsten Teile von so einem Abenteuer im fernen Ausland. Versteh mich nicht falsch, dies ist bestimmt eine wichtige Zeit und die meisten „letzten Unterhaltungen“ waren lustig, würdigend und ermutigend. Was ich mir jedoch manchmal wünschte, war, dass es nicht so lange andauern würde, da ich dieses „tschau-sagen“ nicht sehr mag. Obwohl ich mich wahnsinnig auf die neue Herausforderung freute, war ich traurig, all diese Leute, die ich so liebe, zurückzulassen. Einmal mehr bin ich dankbar für unsere moderne Welt. Heutzutage erleichtern Skype, Whatsapp, E-Mail und Co. den Kontakt.

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Ursprünglich buchte ich die Flüge von Lissabon (wo ich eine kurze Städtereise mit meiner Schwester geniessen konnte) nach Amsterdam, Kuala Lumpur (Hauptstadt von Malaysien) und dann Siem Reap, Kambodscha. Wegen einer Verspätung beim ersten Flug, verpasste ich den Anschlussflug. Glücklicherweise hatten sie mich bereits umgebucht. Die neue Route führte nun über Istanbul (Türkei) und Seoul (Südkorea) und dauerte zehn Stunden länger. Ich sah das positiv: so bekam ich ein paar andere Flughäfen und Airlines zu sehen und dies klang für mich wie Sightseeing – einfach ein bisschen anders. 😉

Vorbereitungen – oder: Wie es plötzlich Lösungen und Leute regnete

Wer mich gut kennt, weiss, dass ich kein Organisationsliebhaber bin. Schlussendlich funktioniert zwar (fast) alles, auch wenn meistens die letzten Details sehr kurzfristig geklärt werden. Als ich vom Reisen zurückkam (31. Oktober 2013), wusste ich, dass ich eine Arbeitsstelle suchen musste und ausserdem viel zu organisieren hatte. Vom meisten hatte ich keine Ahnung, darum war es umso schöner zu realisieren, wie es von allen möglichen und unerwarteten Seiten Lösungen und Leute regnete.

Das Heimkehren allein war nicht einfach. Als ich noch auf Reisen war, war meine Familie umgezogen, weg von dem Haus, wo ich während ca. 15 Jahren gelebt hatte und weg von der Kleinstadt, wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin – in ein kleines Kaff, wo ich absolut niemanden kannte. Zuerst musste ich mein neues Zimmer einrichten. Mein erster Spaziergang mit meinem Hund endete fast im Nirgendwo, da ich die Gegend kein bisschen kannte. Es war ein spezieller Wechsel für mich. Nie hatte ich Gelegenheit dazu gehabt, unserem früheren Haus „tschüss“ au sagen. Nun hatten wir Nachbarn im selben Haus, Freunde wohnten nicht mehr um die Ecke und der mir bekannte Wald war über 40 Zugminuten entfernt. Gott sei Dank kann ich mich schnell an neue Umstände anpassen. Darum dauerte es nicht lange, bis ich mich wohl fühlte. Mein Motto während dieser Zeit war „konzentriere dich auf das Positive“ – und das ist, was ich machte und was meine Augen öffnete um die Vorteile darin zu sehen.

Du bist nominiert!

Dieses Filmchen war ursprünglich für ein Spiel, welches über längere Zeit auf Facebook aktuell war: Du wirst von jemanden nominiert, innert 48h in kaltes, öffentliches Wasser zu springen.

Doch in der Tat kann man es auch auf mein Leben beziehen. Gott nominierte mich für einen Einsatz in Kambodscha. Ich zögerte nicht lange zu entscheiden, seinem Ruf zu folgen. Diese Entscheidung hat weitreichende Auswirkungen: Es bedeutet nicht nur, die Schweiz, sondern die gesamte Komfortzone zu verlassen. Dies inkludiert Dinge wie: meine Familie & Freunde, meine Katze & meinen Hund, meinen guten & sicheren Job & Lohn, mein sauberes & gut organisiertes Land, eine vertraute Kultur, den ganzen Luxus, den man hat, wenn man in der Schweiz wohnt, und so weiter…