Déjà-vu – déjà-écouté – déjà-senti..?!

Allen Verwandten und Freunden „auf Wiedersehen“ sagen zu müssen, war ein langer Prozess, welcher bereits über einen Monat, bevor ich die Schweiz verliess, begonnen hatte. Ich persönlich finde dies einer der schlimmsten Teile von so einem Abenteuer im fernen Ausland. Versteh mich nicht falsch, dies ist bestimmt eine wichtige Zeit und die meisten „letzten Unterhaltungen“ waren lustig, würdigend und ermutigend. Was ich mir jedoch manchmal wünschte, war, dass es nicht so lange andauern würde, da ich dieses „tschau-sagen“ nicht sehr mag. Obwohl ich mich wahnsinnig auf die neue Herausforderung freute, war ich traurig, all diese Leute, die ich so liebe, zurückzulassen. Einmal mehr bin ich dankbar für unsere moderne Welt. Heutzutage erleichtern Skype, Whatsapp, E-Mail und Co. den Kontakt.

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Ursprünglich buchte ich die Flüge von Lissabon (wo ich eine kurze Städtereise mit meiner Schwester geniessen konnte) nach Amsterdam, Kuala Lumpur (Hauptstadt von Malaysien) und dann Siem Reap, Kambodscha. Wegen einer Verspätung beim ersten Flug, verpasste ich den Anschlussflug. Glücklicherweise hatten sie mich bereits umgebucht. Die neue Route führte nun über Istanbul (Türkei) und Seoul (Südkorea) und dauerte zehn Stunden länger. Ich sah das positiv: so bekam ich ein paar andere Flughäfen und Airlines zu sehen und dies klang für mich wie Sightseeing – einfach ein bisschen anders. 😉

Im Flugzeug nach Istanbul führte ich eine spannende Unterhaltung mit einem Amerikaner, der neben mir sass. Wir redeten über anderen Leuten helfen, sowie selber Hilfe gebrauchen, über Geld, und Erfahrungen gewinnen. Selber hat er zwei junge Söhne und er meinte, dass er sich wünschte, dass die beiden auch solche Pläne hätten, sobald sie genug alt seien. Seine ermutigenden Worte, welche mit einer Vorsicht gewählt wurden, die ich noch selten erlebt habe, berührten mich sehr. Als er mich verliess, war ich dankbar und umso motivierter für das, was kommen würde.

In Amsterdam hatte ich alle Boarding-Karten für die drei Flüge bekommen. Auf der für die Verbindung nach Kambodscha stand geschrieben: „to: PSEUDO CITY“ (siehe Bild). Die Frau, welche sie mir ausgehändigt hatte, meinte, das sei in Ordnung so. Während ich in Seoul wartete, kam aus dem Nichts eine Angestellte vom Flughafen auf mich zu und fragte mich, ob ich nach Siem Reap fliegen würde. Nachdem ich bejahte, wollte sie die Boarding-Karte sehen und erklärte mir, dass ich diese bei dem Transfer-Schalter gegen ein gültiges Ticket eintauschen müsse. Sprachlos schaute ich ihr nach, als sie weglief; wie wusste sie bloss … ?

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Am Freitag, 4. Juli um 22.30 Uhr, kam ich im heissen und humiden Siem Reap an. Obwohl ich in den letzten zwei Tagen kaum geschlafen hatte, war ich hellwach und aufgeregt. Meine Freunde holten mich im Flughafen ab. Als ich im Tuk Tuk (Taxi – Bild) sass, sog ich den Geruch der Strassen, das Gebrumm der unzähligen Motorrädern, die Bilder von am Strassenrand sitzenden und diskutierenden Leuten, die Marktstände mit vielen Touristen, die ganze Atmosphäre auf. Es war wie ein einziges, riesiges Déjà-vu-Erlebnis. Wir fuhren am Hotel vorbei, wo ich Elias getroffen hatte, der mich damals vor 9 Monaten zum ICF brachte. Wir fuhren am Markt vorbei, wo ich so viele tolle Khmer-Frauen kennengelernt hatte. Wir fuhren am kleinen Fluss vorbei, wo ich die Zahl 2, den Fischer, für meinen Countdown gefilmt hatte, …….
Als ob alles gestern gewesen wäre.
Mir gingen immer wieder dieselben Gedanken durch den Kopf: Ich habe es geschafft! Das ist mein neues Zuhause. Das ist der Ort, wo ich für die nächsten Monate leben werde. Und irgendwie fühlte es sich bereits wie mein Zuhause an.

Tuk Tuk

Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass der Anfang einfach war. Von einer Minute zur anderen hatte sich alles geändert: Sprache, Klima, Kultur, Leute, Essen, … Natürlich half es mir sehr, dass ich nicht das erste Mal in Kambodscha bin. Das schwierigste war trotzdem noch, herauszufinden, wie alles funktionierte sowie ob und wie ich ins wild durchmischte Team passen würde.
Am nächsten Tag hatte das ICF-Team eine Poolparty. Zuerst gab es Mittagessen (Bild) – bis es zu regnen begann. Dann sprangen wir in den Pool und machten Spiele, warfen einander Sachen an und hatten unseren Spass.
Jedoch denke ich, dass am Sonntag das meiste Eis brach: Wegen den drei Celebrations im ICF lernte ich viele Khmer kennen. Da diese sehr aufgeschlossen und freundlich sind, redeten und lachten wir viel zusammen. Auch am Abend, als wir alle zusammen Essen gingen, hatten wir jede Menge Spass. Das war so ein bisschen der Punkt, wo ich für mich dachte: Ok, nun bin ich irgendwie angekommen.

Poolparty

Auf dem Bild siehst du das Motorrad, welches ich von einer Helferin abkaufen konnte, diese hatte Kambodscha ein paar Tage, bevor ich ankam, verlassen.

mein Motorrad

Ausserdem gab mir Elias einen Kontakt weiter von einem Vermieter, der möblierte 1-Zimmer-Wohnungen vermietet. Normale Leute ziehen bei Hotel Mama aus und suchen sich eine Wohnung in derselben Stadt oder zumindest in der Nähe, sagen wir, 5 km oder 10 km oder vielleicht 50 km entfernt. Naja, ich mach das wohl ein bisschen anders. Mein allererstes Eigenheim ist ca. 10’000 km entfernt! Vielleicht bin ich ja doch ein bisschen verrückt. Oder so… 🙂

360°

mein Zuhause