Die unsichtbaren Narben der Kambodschanischen Kids

Kambodschanische Kinder lächeln. Vielleicht nicht immer, aber sehr oft. Speziell, wenn sie weisse Gesichter sehen. Sie lieben sie, was daran liegen könnte, dass in den Dörfern, wo sie leben, sie diese nicht allzu oft sehen. Oder weil weisse Gesichter oft hello sagen und winken. Ein Kambodschaner würde das nicht machen. Zu viele Kinder hat dieses Land – zu ermüdend. Jedoch gibt es bei Weitem mehr als weisse Gesichter und ein Lächeln im Leben eines Kindes. Manchmal kann man es in ihren dunklen Augen entdecken. Erschütternde Fakten. Unterernährung, Kinderarbeit, Kinderhandel, Tod eines Elternteils, … – alles, was man sich denken kann aber nicht vorstellen will. Und, auch wenn es – im Vergleich – nur so klein ist wie der Mangel an Liebe oder Aufmerksamkeit oder Vernachlässigung. Es hinterlässt Wunden in ihren Herzen. Je älter sie werden, umso tiefer werden diese sein.

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Es existiert jedoch Hoffnung.
Gemäss John F. Kennedy, dem früheren Präsidenten der USA, sind Kinder „die wertvollste Ressource der Welt und ihre beste Hoffnung für die Zukunft“. Punkt. Das ist der Grund, warum wir die Kleinsten und Schwächsten beschützen müssen. Und ihnen zurückgeben sollten, was die Vergangenheit von Kambodscha – Kriege und Genozid – vor Jahren gestohlen hatte: Liebe. Anerkennung. Würde. Glauben an sich selber. Aufmerksamkeit. Ermutigung. Hoffnung. Kindheit. Eine unendliche Liste.
Kaufbar sind sie nicht. Aber geben kannst du sie. Und dies ist unsere Mission im ICF Cambodia.

In unserer Kids Church investieren sich leidenschaftliche Kambodschaner in die jüngste Generation. Während einige Kinder medizinische Versorgung benötigen und die vorsichtige Behandlung des First Aid Teams beanspruchen, sind andere vertieft ins Fussball mit einem übergrossen Ball oder klettern auf dem Reifenspielplatz. Ruhigere Kinder verbringen die freie Spielzeit bei den Tischen, wo sie malerisch kreativ werden. Ein bisschen ausserhalb des Getümmels wird einer Gruppe von Kindern eine wichtige Hygienelektion gelehrt. Die Leiter gestalten dieses ernste Thema so interessant wie nur möglich und bitten ihre kleinen Zuhörer, das Neugelernte zuhause umzusetzen.

Später werden sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Die jüngeren Kids – manche erst 2-jährig – stürmen das Haus, wo sie mit Spiel und Spass fortfahren und Geschichten erzählt werden. Jedoch die Mehrheit versammelt sich unter dem weiten Dach und setzen sich auf die verschiebbaren Tribünen. Diese sind das letzte Upgrade zu unserer Kids Church, welche unaufhörlich auf über 350 Kinder wöchentlich gewachsen war. Somit wurde es unmöglich, dass alle auf dem Boden sassen und das ganze Programm sahen. 

Die Musik beginnt, hunderte Kinder springen auf ihre Füsse, tanzen und singen. Nachher sitzen sie still, beobachten ein kleines Theater und hören gespannt zu, wenn eine Geschichte aus der Bibel erzählt wird. In kleineren Gruppen tauschen sie sich dann über ihre Erlebnisse und das Gelernte aus. Nach ein paar Minuten stehen alle in eine Schlange und schnappen sich einen Teller voll leckerem Mittagessen. Schlussendlich springen sie in die ungedeckten Lastwagen, welche sie heimbringen. Begleitet werden sie von freiwilligen Leitern. 

Unsere Kids Church Leiter sind mehrheitlich ehrenamtliche Mitarbeiter, begeistert wirken sie mit. Hingerissen von der Tatsache, dass sie einen Unterschied machen können. Obwohl ich nicht in der Kids Church involviert bin, liebe ich es, dort zu sein. Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich nicht ein extremer „Kinder-Mensch“ bin. Doch diese Kids haben mein Herz mehrfach gestohlen und geben so viel Liebe und Dankbarkeit zurück – schon nur wenn man ihnen eine Hand zum High-Five hinstreckt. Die Leidenschaft von unseren Leitern zu sehen, die Freudenschreie der Kinder zu hören, die Aufregung zu spüren, wenn sie abgeholt werden – es ist unbeschreiblich. Und dann diese andere Seite. Zu sehen, wie sie das Mittagessen hineinstopfen, als ob sie seit mehreren Tagen hungerten und wie sie Reis nach Hause nehmen, um ihn mit ihrer Familie zu teilen – es bricht mein Herz.