Kambodschanisch – Sprache der Verwunderung

Khmer. Oder Kambodschanisch. Die Sprache des Königreichs der Verwunderung – KAMBODSCHA.
Khmer bringt mich des öfteren zum Wundern.

Aber lass mich mit den Fakten über diese doch eher spannende Sprache beginnen:
Die Kambodschanische Sprache wird fast ausschliesslich in Kambodscha und in kleinen Minderheiten im Südvietnam sowie in Thailand an der Grenze zu Kambodscha gesprochen. Das sind um die 16 Mio. Menschen. Wie in der Schweiz oder anderen Ländern, existieren viele verschiedene Dialekte. Und es ist nicht gesagt, dass jeder jeden versteht. Schlussendlich brauchen sie aber doch nur eine offizielle Sprache mit normalen Grammatikregeln.
Es gibt keine andere Sprache wie Khmer – weder geschrieben noch gesprochen. Zugleich hat es und wurde es beeinflusst von Thailändisch, Laotisch, Vietnamesisch und Chinesisch. All diese Sprachen (und ein paar mehr) werden immer noch von kleinen Minderheiten in Kambodscha verwendet. Zumal Kambodscha mal von Frankreich besetzt wurde, gibt es auch einige Wörter mit französischer Abstammung.
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Eine offizielles Transliteration für das Lateinische (unsere) Alphabet besteht nicht. Keine Überraschung also, dass jeder sein eigenes System erfindet. Khmers sowie Ausländer schreiben mit den Lateinischen Buchstaben wie auch immer es ihnen beliebig ist. Bitte beschuldige mich nicht, wenn du in diesem Eintrag Wörter lernst und sie dann doch niemand versteht 😉

So klingt kambodschanisch:

Betonung und Aussprache

Was ich extrem schätze, ist, dass es keine tonale Sprache ist. Das bedeutet zwar noch lange nicht, dass die Betonung einfach ist, aber es erleichtert das Ganze ein bisschen. Trotzdem ist die Betonung etwas vom schwierigsten zumal es viel mehr Laute – Vokale und Konsonanten – gibt, als in Deutsch, Englisch und Co. Für mich klingt vieles gleich und oft repetieren sie zwei verschiedene Wörter wieder und wieder und ich starre sie einfach nur an und frage, wo um alles in der Welt ist der Unterschied?! Nicht in Kambodscha. Königreich der Verwunderung.
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Viele Wörter enden mit einem leisen Laut. (bsp. „b“, „c“, „tch“). Das heisst, man schluckt sie, sodass man sie kaum hört.
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Es gibt Wörter, deren richtige Aussprache unmöglich erscheint.
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Sieht einfach aus, oder? Ist es niiiicht! Ich erinnere mich zu gut, wie Leute mich neck(t)en, während wir assen resp. auf Essen warten. Hahahha. Nicht aufgeben, lächeln, und weiterversuchen.

Oh und lass uns nicht jene Wörter vergessen, welche konzipiert wurden um meine Zunge zu brechen. Es gibt kaum einen guten Weg, sie einigermassen passend zu schreiben. Die sind schlichtweg komisch. Beispielsweise „ausleihen“ = ktjol. Oder ktsholl. Oder xshol. Oder so.

Schreiben

Die Kambodschanische Sprache hat 100 verschiedene Symbole: 33 Symbole für Konsonanten, 32 Symbole für Kleinbuchstaben resp. Unterkonsonanten, 24 Symbole für Vokale, 11 Symbole für unabhängige Vokale. Und dann gibt es da noch diese Betonungszeichen. Unnötig zu sagen, dass es kein Zuckerschlecken ist, sie zu lernen. Als zusätzliche, gutgemeinte Herausforderung machte man sie auch noch extrem ähnlich. Frag mich nicht, wie ich sie von einander unterscheiden sollte, zumal die Handschrift der Einheimischen noch viel schlimmer aussieht. Kambodscha. Königreich der Verwunderung.
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Die meisten Konsonanten sind doppelt – es gibt jene mit „AH“-Laut und jene mit „OH“-Laut. Wann auch immer man sie mit Vokalen braucht, die Aussprache wird sich ändern.
Beispiel:
KAH mit Vokal aa = KAA
KOH mit Vokal aa = KIA

Wie erwähnt, gibt es viel mehr Konsonanten und Vokale als im deutschen Alphabet: B – P – PB // D – T – DT // NIO – NGO …… und auch die Vokale sind eher kreativ und vielseitig: AOM // UM // UA // AU // OH // Ü // ÜA // AÜ // EA // EI // AI ….. Nur ein paar Beispiele von scheinbar Hunderten.

Geschrieben und gelesen wird in Kreisen: Man definiert als Erstes den Konsonant und den dazugehörigen Laut. Als Nächstes schaut man 360° um den Buchstaben herum, was noch dazugehört – Vokale und Unterkonsonanten. Die kommen unter- und oberhalb, links und rechts vor. Zumal dies noch nicht schwierig genug ist, schmeissen sie keine Abstände zwischen einzelne Wörter. Ichhabeerstangefangenzuschreibenundzulesen. FragmichnichtwieichdasvormeinemTodlernensollte. Grins. Kambodscha. Königreich der Verwunderung.

Grammatik

Es gibt keine Artikel (ein, eine, der, die, das), keine Verbkonjunktionen, kein Singular or Plural, keine Kasus (Fall – Nominativ, Akkusativ, …). Obwohl es offizielle Regeln für Tempus (Zeitformen) gibt, werden sie nicht so oft wie im Deutschen verwendet – und es gibt auch gar nicht so viele verschiedene Formen. Die Zeit wird oft aus dem Zusammenhang verstanden oder durch andere identifizierende Wörter, welche die Zeit anzeigen.

Adjektive und Nummern werden oft (aber nicht immer!) nach den Nomen erwähnt, so sagen wir „Hund gross eins“ (statt „ein grosser Hund“. Ausserdem wird kein „sein“ für Adjektive gebraucht. Entsprechend beschreiben wir einen grossen Menschen einfach nur mit: „Er gross.“ (statt „Er ist gross.“). Abgesehen davon ist die Satzstruktur meistens Subjekt + Verb + Objekt.

Fazit

Ich finde die Kambodschanische Sprache zwar nicht einfach zu erlernen, aber doch sehr unterhaltsam. Es war schon immer ein Wunsch von mir, eine neue Schrift zu lernen und somit habe ich vor wenigen Wochen damit angefangen. Ich weiss nicht, ob ich jemals fähig sein werde, richtig zu lesen und zu schreiben, aber momentan ist es ganz lustig, sowas in mein Gehirn zu stopfen (versuchen).
Die Einheimischen schätzen es enorm, wenn man als Ausländer mit ihnen Khmer spricht. Immer wieder werde ich gefragt, wie lange ich bereits hier wohne und wenn sie die Antwort hören, reagieren sie mit positivem Erstaunen. Oft fordere ich mich selber heraus kein English zu verwenden. Normale, alltägliche Konversationen kann ich ohne Mühe in Khmer führen. Ausserdem verstehe ich viel mehr als ich sprechen kann. Natürlich habe ich einen ziemlich spezifischen Wortschatz, welcher viele Baustellenwörter beinhaltet, zumal dort draussen einfach niemand Englisch kann.