Mein neuester Streich

Ich bin umgezogen. Das Leben in meinem kunterbunten Zimmerchen, das ich langsam lieb gewonnen hatte, hat ein Ende genommen. Früher als erwartet. Moment! Erwartet war es gar nie. Mein neues Zuhause ist eine Villa für meine Verhältnisse – ein normales Haus für deine, vielleicht. Ich bin umgezogen, ja, aber das ist noch lange nicht alles.

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Wie es dazu kam? Naja, da war eine Idee in meinem Kopf hängen geblieben. Und dann ZACK BUMM war sie bereits Realität geworden. Zu schnell ging es um mitzuhalten. Zu schnell um einen Plan, ein Konzept, ein System auszuarbeiten. So schnell, dass ich kaum Zeit hatte, davon zu träumen, geschweige denn, mir Anti-Gründe zu überlegen. Schnell ging es, ja. Doch dies brachte 1001 Herausforderungen mit sich. Ohne Übertreibung!

Angefangen hat es mit der Hinterfragung meiner Wohnsituation. Mein Vermieter und ich kamen immer weniger miteinander aus. Das Badezimmer hatte einen Defekt nach dem anderen. Meine Zufriedenheit nahm ab, ich fühlte mich vermehrt unwohl und es wurde mir immer stärker bewusst, dass ich für den gleichen Preis angenehmer wohnen könnte. Abgesehen von der Gesellschaft meiner Katze wünschte ich mir mehr Menschen um mich herum. Ausserdem wollte ich noch mehr ins kambodschanische Leben eintauchen. Und dann ZACK kam die Idee und BUMM die Umsetzung.

Meine Vision war ein Haus mit 3-4 Zimmern zu suchen und daraus ein Safe House zu machen. Sprich, Teenager und junge Erwachsene, die in einer Notsituation sind – sei es wegen häuslicher Gewalt, Geldproblem, oder anderem -, bei mir aufzunehmen, ihnen ein sicheres Zuhause zu geben und sie auf eine unabhängige Zukunft vorzubereiten. Klingt einfach, ist es aber nicht. Bei meinem Zimmerchen musste ich mich kaum um den Haushalt kümmern und vorher hatte ich noch nie alleine gewohnt, geschweige denn einen Haushalt aufgebaut. Es ist auch nicht so, dass Hausfrau meine Traumbeschäftigung wäre. Doch zu fest hat sich die Idee festgenagt und die Unterstützung liess nicht auf sich warten. Gebraucht wird sowas auf jeden Fall. Ohne Zweifel wird es grosse Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen haben und positive Spuren hinterlassen.

Als Teenager hatte ich bereits mal so einen „Plan“ für sowas in dieser Art, datiert auf die ferne Zukunft. Die Zukunft, wo ich von Lebenserfahrung sprudle, einen tollen Ehemann an der Seite habe und weiss, wie das Leben funktioniert. Und wohl war damals das Ganze auch auf die Schweiz begrenzt. Mein Traum war damals, ein offenes Haus für Menschen zu haben, welche mal ein bisschen Abstand von Familie und Co. brauchten und darum für ein paar Tage, Wochen bei mir unterkommen wollten. Warum? Weil ich dies selber in Anspruch nahm, als ich Teenager war. Damals ein Riesengeschenk, welches mir viel geholfen hat…

Nun bin ich knapp raus aus den Teenagerjahren, alles andere als verheiratet oder erfahren, ein bisschen naiv und ahnungslos. Doch dies liess mich nicht davon abhalten, die Idee weiterzuverfolgen.

Schritt #1: Haus suchen. Von verschiedensten Personen habe ich gehört, wie schwierig es sei, was Angenehmes zu finden. „Ach was“, dachte ich mir und schaute über zehn Häuser an. Fazit: zerfallen, dreckig, staubig, ungepflegt, dunkel, zu teuer, schlechte Lage, ……. Frustration kam hoch, Zweifel tauchten auf. Ich sagte mir, wenn ich dies wirklich weiterverfolgen soll, dann muss Gott mir das Haus geben. Also schrieb ich eine detaillierte Wunschliste und betete dafür. Nicht eine Woche verstrich und schon schlug eine Vermittlerin das absolute Traumhaus vor. Meine doch eher herausfordernde Wunschliste wurde Realität. Tageslichtdurchflutet, geräumig, Dachterrasse, ohne wilden Farbenkombinationen, zwischen Stadt und ICF, ….. ZACK BUMM.

Schritt #2: Vertragsverhandlung. Zwei Tage später traff ich mich mit dem Vermieter und einer Übersetzerin und Zeugin. Ich kämpfte um die Einrichtung und andere Vertragsklauseln. Schlussendlich musste ein Teil noch dazugefügt werden, was die ganze Verhandlung auf über zwei Stunden ausdehnte. ZAAAACK BUMMMMMM.

Schritt #3: Einziehen, 19.01.2015. Total angespannt räumte ich mein Zimmerchen und realisierte, dass ich es doch ein bisschen lieb gewonnen hatte. Glücklicherweise war der Vermieter im neuen Haus (wir hatten keine Zeit abgemacht) und überreichte mir die Schlüssel. Komisches Gefühl. Ist dies wirklich Realität oder alles nur ein Traum?! Einfach mal in ein riesiges Haus ziehen, mit einer Idee im Kopf, die noch kaum Hände und Füsse hat. In Kambodscha werden Häuser ungesäubert übergeben. Eine eher ecklige Tradition, ganz ehrlich. Neben menschlichem Schmutz mussten wir etwa 764 Mücken killen, 51 Spinnennetze zerstören – und noch immer lebt die eine oder andere Spinne hier. Zwar kann ich stolz sagen, dass meine Ekelgrenze abgenommen hat, doch Spinnen sind mir nach wie vor ein Graus – obwohl ich schon einmal ein Bein auf dem Markt gegessen habe …

Schritt #4: Erste Mitbewohner. Drei zogen schon am ersten Tag ein – unerwartet. Zusammen bemühen wir uns, das Haus gemütlich einzurichten. Ein Teil der Möbel fehlte am Anfang noch, aber Zeit ist hier nicht so bedeutend, Pünktlichkeit wird überbewertet. Einmal wartete ich 3.5h auf den Vermieter. Hauptsache, er kommt überhaupt! Hals über Kopf kreiere ich Regeln, halte Sitzungen mit meinen Mitbewohnern. Sie helfen mit, wo auch immer sie können. So oft wie nur möglich schicke ich sie auf den Markt um was zu besorgen und mich zu entlasten. Wann auch immer wir uns begegnen, schenken sie mir ein strahlendes Lächeln. Unbezahlbar.

ZACK BUMM ging alles. Ich kam gar nicht nach, alle Ereignisse ins Tagebuch niederzuschreiben. Herausforderungen treten täglich auf. Überforderung versucht ab und an, Überhand zu nehmen. Aber auch positive, sprachlose Momente gehören zu der Tagesordnung. Unterstützung fliesst von allen Seiten. Bekannte und unbekannte Menschen versichern finanziellen, geistlichen und psychischen Beistand. Es berührt mich wahnsinnig, zu sehen, wie das Leben der kambodschanischen Bevölkerung viele nicht kalt lässt. 

Deine Mithilfe zählt. Ermögliche auch du Teenagern/jungen Erwachsenen eine Lebens- und Situationsveränderung. Schenke ihnen ein besseres Zuhause, einen sicheren Schlafplatz, gute Lebensqualität, Liebe, Geborgenheit, Freiheit und Freude. Vielleicht können wir niemals die gesamte Not decken – doch wir können zusammen wenigstens bedeutende Schritte in jene Richtung machen und Spuren hinterlassen. Vielen Dank für deinen Einsatz.

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Vivien Bachmann
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