Nur in Kambodscha: Wenn der Kühlschrank zum Backofen wird

Stromausfälle kümmern mich nicht. Auch vier Stromausfälle an einem Tag gehen klar. Ich wusste, diese würden ab und zu vorkommen. Damit kann ich leben.

Aber was ich nicht mag, ist, wenn ich Stunden nachdem der Strom wieder zurückgekehrt war, den Kühlschrank öffne und mir eine Hitzewelle entgegenschlägt. Die Luft, welche hineingeblasen wird, ist wärmer als mein (unklimatisiertes) Zimmer. Entschuldigung, aber mein Kühlschrank ist kein Backofen!

Ok. Ruhig bleiben. Nicht emotional werden. Einatmen. Ausatmen.

Meine Bananen haben sich braun gefärbt. Mein Brot, welches theoretisch gefroren sein sollte, ist wie frisch aufgebacken. Meine Getränke haben sich in Tee verwandelt – mit delikatem Coca-Cola- und Biergeschmack. Meine Butter scheint mich freundlich daran erinnern zu wollen, dass wir drei Aggregatszustände haben: fest, flüssig und gasförmig. Die ist nun im zweiten angekommen: flüssig. Meine importierte Schweizer Schokolade (Toblerone, Frey, Ovomaltine, … ) könnten auch als Schokoladenfondue oder -crème durchgehen – da gibt es keinen Unterschied mehr. Meine herrliche Schokolade … !!!! Einatmen. Ausatmen. Und nicht zu vergessen: mein Schweizer Gruyère Käse. Ein geniales Geschenk von meinen Verwandten, welche mich vor ein paar Tagen besucht haben. Mein Lieblingskäse. Der beste. Nicht erhältlich in Kambodscha. Ich hatte jeden Tag ein kleines Stückchen gegessen, damit er so lange wie nur möglich halten würde. Und nun schmilzt er dahin. Stirb langsam VI.

Ruhig bleiben und … – Ja, und was? Was macht eine Schweizerin in so einer Situation?
SCHOKOLADE ESSEN.
Einige Leute sagen, Schokolade löse keine Probleme. Ich sage: Ein Apfel auch nicht. Also nehme ich ein Stück vom warmen, gummigen Brot, schmiere eine Schicht geschmolzene Schokolade und eine zweite mit Erdnussbutter drauf. (Meine Erdnussbutter ist in der Tat etwas von den wenigen Sachen, welche das Ganze überlebt haben, ohne ein Chaos zu veranstalten.) Lecker! – Und wahrscheinlich eine der grössten Kalorienbomben überhaupt.
Aber das ist ok. Immerhin habe ich während den Stromausfällen genug geschwitzt um dies auszugleichen.