Das geordnete Verkehrschaos

Der Verkehr in Kambodscha unterscheidet sich vielleicht ein kleines bisschen von was du dir gewohnt bist. Es kann viel Zeit beanspruchen, bis man sich einigermassen sicher fühlt. Es hat haufenweise Motorräder, Fahrräder, Tuk Tuk’s und vergleichsweise nur wenige Autos auf der Strasse. Das Ganze sieht wie ein einziges Durcheinander aus, funktioniert jedoch ziemlich gut.

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Platte, eiernde oder wackelnde Reifen gehören zur Tagesordnung. Ich hatte schon zwei Mal einen Platten. Aber Gott sei Dank waren beide Male Mechaniker in der Nähe. Das erste Mal passierte bereits nach drei Wochen auf einer langen, geraden Strasse, ein bisschen ausserhalb der Stadt. Aus dem Nichts kam ein kleiner Bube und zeigte mit dem Finger auf eine Miniwerkstätte. Kleiner Engel. Ohne ihn hätte ich nicht gewusst, wohin zu gehen. Bereits drei Mal ist mir das Benzin ausgegangen – was ich natürlich meiner eigenen Faulheit und Unaufmerksamkeit zuschreiben muss. Einmal passierte es mir in der Mitte der Kreuzung. Super Timing. Es ist aber ziemlich amüsant, wie viele lachende Gesichter du siehst, während du das Motorrad zur nächsten Tankstelle stosst… 😉

Geld – Freund oder Feind?

„Geld besteht aus Zahlen und Zahlen enden nie. Wenn es Geld braucht um glücklich zu werden, wird die Suche nach purer Zufriedenheit nie enden.“

Geld hat zwei Seiten. Es kann Menschen in „Monster“ verwandeln, welche sich um nichts anderes als Geld sorgen. Es kann einen geizig und egoistisch machen. Es kann zu einer Gottheit werden, welche wichtiger ist als andere Leute und Beziehungen, Freizeitaktivitäten, frühere Werte. Geld hat Macht. Macht zu zerstören…

…und Macht zu kreieren und wiederherzustellen. Es kann natürlich auch zu Grosszügigkeit verführen. Geld kann Leben auf eine positive Art und Weise ändern. Nicht nur ist es das Mittel, Nahrungsmittel und Wasser, Elektrizität, Kleider zu erwerben. Es kann auch in Menschen und Organisationen investiert werden, welche Menschen zur Selbsthilfe verhelfen.

100 Riel = USD 0.025

100 Riel = USD 0.025

Finanzielle Situation in Kambodscha

Kambodscha ist ein sehr armes und unterentwickeltes Land. Vielleicht realisierst du dies weniger, wenn du nur die Sehenswürdigkeiten besuchst und dich im relativ modernen Stadtzentrum aufhälst, wo es Lichter, Musik und Steinhäuser gibt. Die Einheimischen wollen natürlich die Armut nicht zeigen. Alles ist so schön wie möglich gemacht – meist für die Touristen.

Die Vielseitigkeit Kambodscha’s

Gestern Abend hatte ich die Idee, aus bereits bestehenden Film- und Fotomaterial ein Video zu kreieren. Stundenlang war ich beschäftigt; die Zeit hatte ich schon längst vergessen. Die Müdigkeit kam, die Motivation blieb. Als der erste Entwurf fertig war, blieben mir noch drei Stunden Schlaf. Na dann mal los!

Den ganzen Film habe ich heute nochmals überarbeitet – mit aufgetankter Energie und Konzentration. Er dient vor allem dem Zweck, die Schönheit Kambodscha’s aufzuweisen. Ich versuchte, den kambodschanischen Alltag einzufangen. Die grosse Herausforderung war, irgendwann einen Schluss zu machen. Man könnte diesen Film auf drei Stunden erweitern, was jedoch zu dem einen oder anderen müden Auge bei dir und einem abgestürzten Laptop bei mir führen würde. Aber wer weiss, vielleicht habe ich ja wieder einmal so eine kreative Nacht und mache eine Fortsetzung…?

Es sind alles Situationen, die ich genau so angetroffen habe. Nichts wurde eingespielt, vorbereitet oder besprochen (ausser bei dem Wasserbüffel, den wollte ich dazu motivieren ins Wasser zu steigen, was jedoch nicht viel brachte).

Schweigen soll ja bekanntlich Gold sein.
Darum sage ich jetzt nur noch:

FILM AB!

Spektakulär. Einzigartig. Ungewöhnlich.

Da standen sie nun dicht aneinander gedrängt vor dem Eingang des Tonle Mekong Restaurants. Die ersten sind bereits vor 17.00 Uhr angekommen, seither ist die Gruppe unüberseh- und unkontrollierbar gewachsen. Das Ganze erinnerte an ein Ameisenvolk, wo eine Ameise eine leckere Bananenschale gefunden hatte und sich nun das ganze Volk dort versammelte. Aktuelle Musikhits dröhnten aus den Lautsprechern, gemixt wurden sie von unserem DJ. Auf der vielbefahrenen Hauptstrasse, welche am Restaurant vorbeiführt, stoppten andere Einheimische ihre Motorräder und Tuk Tuk’s und beobachteten neugierig das Geschehen. Von oben sah das Menschenmeer zwar gross aber ganz entspannt aus. Doch spätestens wenn man versuchte, sich zum Eingang durchzukämpfen, realisierte man, wie eng die Menschen standen. Ein freundliches „entschuldige bitte“ half nicht mehr gross, Durchboxen war effektiver. Spannung lag in der Luft. Die wenigsten konnten sich ausmalen, was sie bald sehen würden. Vorfreude zeichnete sich auf den vielen Gesichtern ab. Vorfreude auf ein gewaltiges Spektakel, auf eine etwas andere, einzigartige Feier. Etwas, das sie noch nie in dieser Form erlebt hatten. Vorfreude auf das Grand Opening des ICF Cambodia.

Drei Wochen zuvor hatten wir noch frisch gedruckte Tickets in den Händen. In einer Sitzung besprachen wir Verteilstrategien. Besonders Wert wurde darauf gelegt, dass wir den Empfänger spüren lassen, dass es etwas Besonderes ist und er unbedingt kommen soll. Einige zweifelten, dass wir die 3600 Gratis-Tickets überhaupt losbringen würden.
Zehn Tage später hatten wir keine Tickets mehr. Von einem ca. 60-köpfigen Team wurden innerhalb weniger Tage 3600 Tickets verteilt! Natürlich tauchte dann vor allem bei uns „Ausländern“ die Frage auf, wie dies geschehen konnte. Von den Einheimischen wollten wir wissen, wer wie viele an wen verteilt hatte. Es stellte sich heraus, dass das Schneeballsystem in Kambodscha bestens funktioniert. Doch werden genug Leute kommen, um den Saal zu füllen?

Countdown für Grand Opening

Endlich! Hier ist der neue Countdown, welchen wir für das Grand Opening des ICF Cambodia produziert haben:

Einige Zahlen:
ein paar Stunden und 3 Spraydosen brauchte ich um den Stuhl gelb einzufärben
unzählige Kilometer fuhren wir, um zu verschiedenen Orten zu gelangen
3 Wochen lang sind wir immer wieder auf die Strasse und haben Leute angequatscht, sie um Teilnahme gebeten und fürs Grand Opening eingeladen
7 Tage und Nächte hatte ich Zeit, um die …
100 Filme nachzubearbeiten, zu schneiden, zusammenzufügen, etc.
– wir filmten 100 verschiedene Menschen in …
100 verschiedenen Situationen
8 Exporte musste ich machen und begutachten, zumal mein Computer zu langsam war um mir das Resultat jeweils direkt im Programm ansehen zu können
14 Stunden dauerte der letzte Export – und wurde …
9 Stunden vor dem Start des Grand Openings fertig – ufff.

„Zu tun, was man mag, bedeutet Freiheit, …

…zu lieben, was man tut, bedeutet Zufriedenheit.“

Bitte entschuldige, dass ich solange nichts geschrieben habe. Ehrlich gesagt war ich wahnsinnig beschäftigt. Nicht nur machte ich es mir mehr und mehr gemütlich, sondern es ging auch nicht lange, bis ich mit vielen neuen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert wurde. In den ersten Tagen meinte ich noch, dass ich einen ruhigen Start haben werde und auch nie extrem gestresst sein werde. Ich dachte, dass ich jede Woche mindestens einen halben Tag hätte, um für meine Webseite zu schreiben. Doch dies waren nur meine Gedanken. In der Realität kam alles anders. Nun schreibe ich, sobald ich ein paar leere Minuten finde, damit ich diesen Eintrag baldmöglichst fertig bringe. Einmal liess ich mein Motorrad waschen und schrieb während dem Warten oder wenn es wegen Regen eine Pause gab bei der Filmarbeit, nutzte ich auch diese. Und nun, wo ich krank bin, habe ich sogar Zeit, mein Geschriebenes zu veröffentlichen.
Sicherlich fragen sich nun die einen oder anderen, was ich tagein, tagaus mache. Lass es mich erzählen.

Nur in Kambodscha: Wenn der Kühlschrank zum Backofen wird

Stromausfälle kümmern mich nicht. Auch vier Stromausfälle an einem Tag gehen klar. Ich wusste, diese würden ab und zu vorkommen. Damit kann ich leben.

Aber was ich nicht mag, ist, wenn ich Stunden nachdem der Strom wieder zurückgekehrt war, den Kühlschrank öffne und mir eine Hitzewelle entgegenschlägt. Die Luft, welche hineingeblasen wird, ist wärmer als mein (unklimatisiertes) Zimmer. Entschuldigung, aber mein Kühlschrank ist kein Backofen!

Ok. Ruhig bleiben. Nicht emotional werden. Einatmen. Ausatmen.

Wenn du errettet wirst, ist es keine Verwandlung. Es ist eine Neugeburt, denn Gott möchte sicherstellen, dass alle einen Vater haben.

Die etwas andere Kultur von Kambodscha

Natürlich unterscheidet sich die kambodschanische Kultur von solchen der Länder ausserhalb von Asien. Sogar auch in Asien selber variieren gewisse Merkmale nicht selten. Wie bei anderen Ländern setzt sich die Kultur aus einer Mischung von den Einflüssen anderer Nationen, Geschichte (lies diese hier), Religion, Regimen und ihren Regeln zusammen. Ausserdem beeinflussen positive und negative Erfahrungen sowie auch neue Trends die Gewohnheiten, meist in einem Prozess, der Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte dauern kann. Kambodscha’s Kultur ist extrem komplex. Infolgedessen ist es auch nicht immer einfach, sie zu verstehen und richtig umzusetzen. Ich habe bereits viel gehört, gesehen, erfahren, gelesen und werde nun versuchen, einen Überblick zu vermitteln. Zudem will ich versuchen, einige Hintergründe weiterzugeben, welche oft meiner persönlicher Ansicht entsprechen. Bitte verstehe, dass schlussendlich jede Person verschieden ist, daher gibt es Menschen, zu welchen diese Beschreibungen ziemlich gut passen und natürlich auch solche, die merklich anders sind.

Culture

Wie einige Charakteristika sind
Kambodschaner schreien einander nicht an. Je wichtiger eine Diskussion wird, umso leiser reden sie. Zum Beispiel, wenn du an einem Marktstand um einen Preis feilschst, senkst du besser deine Stimme. Auf diese Art und Weise werden sie dir mehr Respekt entgegenbringen und du wirst mehr Erfolg haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies von der Vergangenheit kommt: Kambodscha hatte so viele verschiedene, brutale Führungspersonen und -gruppen und Kriege, wo sie wahrscheinlich immer wieder mal angeschrien wurden (z. B. Befehle). Und so hat sich das Ganze um 180° gedreht – als ob ein Gegenpol gesetzt werden soll.
Hilfreich ist immer, Geduld zu zeigen und es nicht eilig zu haben. Je länger du wartest und zögerst, um so mehr Rabatt geben sie dir. Die Zeit hat hier eine andere Bedeutung als in der Geschäftswelt vom Westen. Was du heute nicht fertig machen kannst, mach morgen. Oder übermorgen. Oder eine Woche später. Ich liebe diese beiden Merkmale, sie geben dem Leben einen lockeren Touch. Jedoch meint dies auch, dass sie nicht gross Wert auf Pünktlichkeit legen – und dies ist etwas, wo wir Schweizer bekannt dafür sind …