Pionierarbeit vom Feinsten

„Hey Mamacita
wo söll‘s dänn higah?
London, Paris oder Rom? […]“

(„Hey Mamacita
wohin soll es gehen?
London, Paris oder Rom? […]“)

Bligg, ein Schweizer Rapper, schrie dies in meine Ohren um 4 Uhr morgens am Samstag, 13. Juni. Durch einen Schlag auf die Schlummertaste verstummte er. Halt die Klappe, dachte ich und drehte mich zur anderen Seite.
Fünf Minuten später, fragte er mich wieder, „… wohin sollen wir gehen?“.

ZUM ELEVATE CAMPUS, NATÜRLICH !!!

und JETZT. STEH. AUF. !!!

Und das machte ich. Im Schnelldurchlauf duschte ich, rannte zum Kühlschrank, würgte ein zusammengewürfeltes Frühstück runter – eine wilde Kombination von Crackers, Schokolade und Schweizer Honig (erfolgreiches Wach-Mach-Rezept!), warf alles Notwendige in eine Tasche und fuhr zum Elevate Campus. Ich wollte einfach nur die Erste sein. Es war immer noch pechschwarze Nacht. Der Mond war zu klein um Licht zu geben. Plötzlich sah ich einen Taschenlampenstrahl, welchem Menschen aus Zelten folgten. Ach ja, richtig. Unser Elevate Fahrradteam hatte hier über Nacht campiert. Sie spielten Musik und wir hatten schon mal ’ne kleine Vor-Party. Und ja, ich war bereits vollgepumpt mit Adrealin (und Schweizer Honig) und deswegen voller Energie und Aufregung.

Kurz nach 5 Uhr, hatten wir eine kurzes Zusammenkommen, wo ich unserem Team meine Wertschätzung für das frühe Aufstehen entgegenbrachte, sowie auch klarmachte, jedermann und jedefrau wusste, was zu tun war. Und dann begann das Gewusel. Wie Ameisen versuchten alle zu finden und aufzustellen, was sie brauchten. Einen Tag vorher hatten wir alles vom ICF zu den Kontainern auf Elevate transportiert. Langsam ging die Sonne auf, es wurde heller, wärmer und mit der Sonne mehr und mehr Leute kamen an. Rennfahrer, Kinder, Besucher, Teamleiter, Fotografer, Freunde, Einheimische und Ausländer, Professionelle und Amateure. Es wimmelte nur so von ihnen. Alle waren neugierig, was bald geschehen würde. Und genauso fühlten wir uns selber.

Die Registration begann, jung, mittelaltrig und alt kamen sie lächelnd aus unserem halbfertig gebauten Gebäude, ihre Nummernschilder sowie Gutscheine in den Händen. Gutscheine für Essen, Fussmassage, ein T-Shirt, … . Unser Moderator Rany verkündete Infos und Zeiten. Zwischendurch wurde Musik gespielt. Alle Teammitglieder rannten herum, gaben ihr Bestes um alles so perfekt wie nur möglich aufzustellen.

ENDLICH!
8:30 Uhr

UND UNSER ALLERERSTES FAHRRADRENNEN BEGANN!!!

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Ehrlich gesagt, der Start war um wenige Minuten verspätet. Nein, nicht um es interessanter zu machen, sondern eher weil wir in der letzten Minute noch Details anpassen mussten. Und weil Pünktlichkeit überbewertet wird. Grins.

Für Zahlenliebhaber:
8 Kategorien für Teenager und Erwachsene
-> davon 2 für Frauen
2 Kategorien für Kinder
insgesamt über 200 Teilnehmer

Teams von Siem Reap und der Hauptstadt Phnom Penh waren am Start sowie auch Kinder, Teenager und Erwachsene, welche einfach nur gerne in die Pedale treten. Die Trainierten waren unglaublich schnell, der Route interessant und herausfordernd, die Atmosphäre fantastisch, das Feedback sehr positiv, das Wetter nicht viel (nur ein bisschen) zu heiss und sonnig, unser Team genial, der See beliebt – der Event einfach nur ein einziger Erfolg.

LEGENDÄR. – um es in einem Wort zusammenzufassen.

Unsere Tanzgruppe

Unsere Tanzgruppe

Ein absolutes Highlight war, dass auch viele von unserem Team am Rennen teilnahmen und es erfolgreich – manche sogar mit Podestplatz – vollendeten. Nicht nur gaben sie bei Vorbereitungen und am Tag selber Vollgas – sondern auch noch als Radfahrer/in selbst!

RESPEKT.

Eines meiner persönlichen Highlights war, die etwas anderen Verantwortlichen für diesen Event zu treffen. Diejenigen, die ihre Energie und Schweiss in den Bau des Elevate Campus investierten. Meine erweiterte Familie – die Arbeiter, welche die Sicherungen des Sees gebaut hatten. Als sie mich sahen (ich war wie immer überall am Herumrennen, alles am Kontrollieren, ob es wie geplant funktionierte), begannen sie, laut „VIVI“ zu schreien und als ich ihnen entgegenlief, rannten sie zu mir, um „aub mouy“ (eine Umarmung) bittend. Und bevor ich viele Worte herausbrachte, wurde ich massenhaft kräftig gedrückt. Ich bin mir nicht sicher, wer nun glücklicher war, sich wiederzusehen!!!

Das war unser allererste solche Event. Organisiert haben ihn Koni und ich in enger Zusammenarbeit mit vor allem Dara, unserem Leiter des Elevate Fahrradteams und dem restlichen Team. Stundenlange Sitzungen gehörten zur Tagesordnung. Nicht selten rauchten uns die Köpfe. Und genauso oft mussten wir Ideen und Pläne auf den Kopf stellen, obwohl sie in der letzten Sitzung noch wahnsinnig viel Sinn gemacht hatten. Ich schätze, das ist, was man Pionierarbeit nennt.
Ich liebte, wie unser Team zusammenarbeitete, bestrebt alle Probleme zu lösen. Obwohl wir so früh begannen und die Vorbereitungen bereits sehr anstrengend gewesen waren, obwohl jede und jeder neuen Herausforderungen gegenüberstand, waren wir immer noch motiviert, unser Bestes für die Teilnehmer und Gäste zu geben. Es war nicht einfach nur ein Rennen. Wir wollten, dass sie sich willkommen, geliebt und geschätzt fühlten. Denn ich glaube – und ich denke, unser ganzes Team glaubt das Gleiche -, dass jeder Mensch auf diesem Planeten es verdient, geliebt zu werden. Es ist ein trauriger, aber offensichtlicher Fakt, dass es Tausende von Menschen gibt, denen Zuhause, in der Schule, am Arbeitsplatz weder Liebe noch Wertschätzung entgegengebracht werden. Das ist der Grund, warum sie es umso mehr an einem Fahrradrennen von Elevate Campus erleben sollen!

Nur ein Anfang war es. Denn unsere Träume sind gross. Sie beinhalten unsere Kinder vom Patenschaftsprogramm, mehr Studenten und Schüler, mehr Rahmenunterhaltung, mehr Perfektion. Wir wollen sie zum Elevate Campus einladen, See, Rennbahn, etc. auch unter der Woche gratis nutzen, ausserdem sind sie willkommen unserem Fahrradteam beizutreten, … . Sie sollen Freunde, Liebe und Abenteuer finden statt Feinde, Hass und Langeweile.

Wir wollen sie lieben. Sie akzeptieren, einfach so, wie sie sind. Wir wollen Freunde mit ihnen sein. Wir wollen ihre Familie sein.

„Was die Welt verändert, ist, wenn wir anfangen, einander zu lieben. Und wenn wir beginnen, die Welt zu lieben. Und wenn wir beginnen unsere Hände zu denen in Not auszustrecken.“

TobyMac