Spektakulär. Einzigartig. Ungewöhnlich.

Da standen sie nun dicht aneinander gedrängt vor dem Eingang des Tonle Mekong Restaurants. Die ersten sind bereits vor 17.00 Uhr angekommen, seither ist die Gruppe unüberseh- und unkontrollierbar gewachsen. Das Ganze erinnerte an ein Ameisenvolk, wo eine Ameise eine leckere Bananenschale gefunden hatte und sich nun das ganze Volk dort versammelte. Aktuelle Musikhits dröhnten aus den Lautsprechern, gemixt wurden sie von unserem DJ. Auf der vielbefahrenen Hauptstrasse, welche am Restaurant vorbeiführt, stoppten andere Einheimische ihre Motorräder und Tuk Tuk’s und beobachteten neugierig das Geschehen. Von oben sah das Menschenmeer zwar gross aber ganz entspannt aus. Doch spätestens wenn man versuchte, sich zum Eingang durchzukämpfen, realisierte man, wie eng die Menschen standen. Ein freundliches „entschuldige bitte“ half nicht mehr gross, Durchboxen war effektiver. Spannung lag in der Luft. Die wenigsten konnten sich ausmalen, was sie bald sehen würden. Vorfreude zeichnete sich auf den vielen Gesichtern ab. Vorfreude auf ein gewaltiges Spektakel, auf eine etwas andere, einzigartige Feier. Etwas, das sie noch nie in dieser Form erlebt hatten. Vorfreude auf das Grand Opening des ICF Cambodia.

Drei Wochen zuvor hatten wir noch frisch gedruckte Tickets in den Händen. In einer Sitzung besprachen wir Verteilstrategien. Besonders Wert wurde darauf gelegt, dass wir den Empfänger spüren lassen, dass es etwas Besonderes ist und er unbedingt kommen soll. Einige zweifelten, dass wir die 3600 Gratis-Tickets überhaupt losbringen würden.
Zehn Tage später hatten wir keine Tickets mehr. Von einem ca. 60-köpfigen Team wurden innerhalb weniger Tage 3600 Tickets verteilt! Natürlich tauchte dann vor allem bei uns „Ausländern“ die Frage auf, wie dies geschehen konnte. Von den Einheimischen wollten wir wissen, wer wie viele an wen verteilt hatte. Es stellte sich heraus, dass das Schneeballsystem in Kambodscha bestens funktioniert. Doch werden genug Leute kommen, um den Saal zu füllen?

Die Verantwortlichen für die Sitzordnung hatten ihr Bestes gegeben, um so viele Leute wie möglich in die Halle zu bringen. Das erste Problem war, dass das Restaurant uns eine viel zu hohe Anzahl versprochen hatte als effektiv möglich war. Dazu kam, dass das Restaurant nicht einmal so viele Stühle besass. Doch wir wären nicht das ICF, wenn wir uns von solchen Sachen abschrecken lassen würden. Wir räumten die Empore, welche an eine Altwarendeponie erinnerte, um mehr Sitzplatz zu schaffen. Die Managerin beauftragten wir, Stühle eines anderen Restaurants zu bestellen. Die Bestuhlung selber wurde eng berechnet. Den einen Flügel statteten wir mit Sitzmatten statt Stühlen aus, was nochmals viel Sitzplatz brachte. Diese hatten sowieso keine gute Sicht auf die Bühne, darum bestellten wir mit der Technik einen Livestream für diesen Flügel. Alles soll schlussendlich das Beste sein. Immerhin wollen wir Gott repräsentieren und ist er nicht perfekt?!

Die Menge draussen wuchs und wuchs. Gegen 18.00 Uhr liessen wir sie langsam rein. Der Strom wollte einfach nicht aufhören. Spätestens jetzt gehörten alle Zweifel der Vergangenheit an. Nach 1400 Erwachsenen mussten wir den Eingang schliessen, die Kapazität war ausgeschöpft. Doch draussen standen immer noch Hunderte von Leuten. Wir versuchten, diesen freundlich zu erklären, dass wir keinen Platz mehr hatten. Leider wurde uns wenig Verständnis entgegengebracht. Auch unsere Einladung für den nächsten Sonntag stiess meist auf taube Ohren. Zahlenmässig wurden unsere Erwartungen definitiv gesprengt: Drinnen sassen 1400 Jugendliche und Erwachsene, unser Team von knapp 100 Helfern und die Angestellten vom Restaurant nicht mitgerechnet, dazu kamen noch ca. 200 Kinder, welche die Erwachsenen mit hineingenommen hatten. Auf dem Vorplatz hatten wir ein grosses Zelt für den Kinderhort aufgebaut. Dort waren nochmals 327 Kinder, welche erst auf Gummischlössern herumsprangen und später eine unterhaltsamen Abend mit Geschichten, Musik und Tanz geniessen konnten.

Mit verschiedenen Videos von anderen Events begannen wir die Vorstellung. Weiter ging es mit einem fantastischen Tanz von unserem begabten „Mini-Boy“. Wie es der Name sagt: Er ist klein – aber oho! Darauf folgte ein Countdownvideo, wo 100 Personen/Gruppen gefragt worden waren, mit einer Nummer (100-1) auf einen gelbgemalten Stuhl zu sitzen. Perfekt abgerundet wurde er dank der süssen Emma und Klein-Koni, welche mit der Null auf die Bühne spazierten und sich auf den Stuhl setzten. Das Publikum brach in spontanen Applaus aus. Beim ersten Worship-Lied „Catching Fire“ (Feuer einfangen) fingen die Besucher die Strandbälle, welche die Sänger zuvor ins Publikum gekickt hatten und liessen sie schnell verschwinden. Nicht nur der Kulturunterschied kam hier zum Vorschein, man merkte auch, dass sie sich solche Spezialeffekte überhaupt nicht gewohnt sind. Nach einer herzlichen Begrüssung vom Moderator Steve mit kambodschanischer Übersetzung zeigte unsere Dance-Crew ihr Können. Innert wenigen Wochen hatte diese eine professionelle Show einstudiert und geübt. Dafür hatte Mini-Boy sogar seinen Freund aus Phnom Penh nach Siem Reap geholt. Anschliessend sangen unsere sechs Sänger mit Playbackmusik und Video einige Lobpreislieder. Augen weiteten sich, Münder wurden vor Staunen geöffnet. Diese moderne Musik, die tanzenden Lichter, diese Energie, Freude und Leidenschaft der Sänger, unter deren Füssen die Bühne bebte, waren ungewohnt. Die meisten kommen von buddhistischem Hintergrund, wo der Gesang an trauriges Geplärr erinnert.

Als Nächstes war das Pastorenpaar Sophal und ND Strupler an der Reihe. Unsere Übersetzer sorgten dafür, dass auch jede und jeder alles verstand. Erst berichtete Sophal von ihrer Vergangenheit. Sie erzählte, wie sie als kambodschanisches Baby ausgesetzt und dann von einer Schweizer Familie adoptiert worden war. Ausserdem beschrieb sie, wie sie sich gefreut hatte, in ihr Vaterland zurückzukehren. Es gibt nur wenige Kambodschaner, die nach den vielen Kriegen und Unruhen wieder nach Hause gehen – und wahrscheinlich noch weniger mit sozialem Hintergedanke. Aus diesem Grund war Sophal’s Geschichte umso berührender. Sicherlich hatte sie so den Respekt von vielen Zuhörern gewonnen.

Ihr Ehemann ND übernahm das Mikrofon nach tosendem Applaus. Er stellte die Kirche ICF Cambodia vor und betonte dabei vor allem den Style des ICF’s mit den sechs Punkten „Am Puls der Zeit“, „Das Beste geben“, „Vom Leben begeistert“, „Gemeinschaft erleben“, „Potential entfalten“ und „Nichts ist unmöglich“. Untermalt wurden diese von kurzen Filmportraits einiger Kirchenbesucher. Ausserdem hatten wir bei den Vorbereitungen rote Banner mit den Stichworten aufgehängt. Diese wurden nun dank einem ausgeklügelten Mechanismus heruntergelassen. Leider war das Timing nicht so passend, die einen kamen ein bisschen verspätet, aber alles in allem ergänzten sie das Bühnenbild perfekt. Gut so, denn das Aufhängen alleine war viel zeitintensiver als erwartet und hatte vereinte Kräfte gebraucht. Wegen eines Missgeschicks und der daraus resultierenden gebogenen Stange musste nicht nur eine neue gekauft, sondern auch nochmals alles neu aufgehängt werden.

In der Vorbereitungsphase hatten wir einige Pastoren anderer Kirchen in Siem Reap getroffen und gebeten, eine kleine Videobotschaft zu machen. In dieser wurde ICF begrüsst und Segenswünsche ausgesprochen. Diese Filme spielten wir nun ab. Wir machten damit ein Statement, dass wir einander respektieren und mit ihnen zusammen für Gottes Königreich arbeiten.

Und dann kam endlich der Höhepunkt des Abends. Zwei Sänger trugen ein langes, rotes Band mit edler Schleife auf die Bühne. Die Besucher wurden gebeten aufzustehen. Während diese aufmerksam das Geschehen verfolgten, breitete sich bei einigen unseres Teams Nervosität aus, ob auch alle Wow-Effekte funktionieren würden. Ein kurzer Countdown wurde abgespielt und beim 0 schnitt ND das von Sophal gehaltene Band durch. Gleichzeitig begann das Lied „Higher“, die restlichen Sänger rannten auf die Bühne. Während es haufenweise glitzernde Konfetti regnete, wurde getanzt, gesungen, geklatscht. Das Licht spielte wie verrückt, die Halle tobte. Plötzlich fielen Ballone vom Himmel, welche zugleich von den Leuten zerplatzt wurde. Das ergab einen ungeplanten aber genialen Spezialeffekt, zumal es nun umso lauter wurde. Einigen von uns fielen zugleich grosse Steine vom Herz. Das Ballonnetz war während dem ganzen Tag unser schlimmstes Sorgenkind gewesen. Was als genialen Effekt in den Sitzungen geklungen hatte, war in der Praxis viel schwieriger. Zwar war es gut vorbereitet worden; zwei Netze wurden mit Röhrchen, Kabelbindern und Seilen reissverschlussähnlich zusammengenäht. Mit einem Kompresser, der wegen Überhitzung – oder mangelnder Qualität – immer wieder einmal eine Pause brauchte, hatten einige Helfer Hunderte von Ballonen aufgeblasen. Doch da das Restaurant bis zum Samstagabend noch genutzt wurde, konnten wir die Tische erst am Sonntag selber wegräumen und entsprechend auch die ganze Vorrichtung erst dann befestigen. Unser Kletteräffchen Miriam war dafür stundenlang unter dem Dach unterwegs. Später kam jemanden die Idee, zu testen, ob es überhaupt klappen könnte. Das Ergebnis war ernüchternd, enttäuschend und natürlich ungeplant: Das Seil hatte zu viel Widerstand und konnte darum nicht einmal ein bisschen bewegt werden. Die Köpfe fingen an zu dampfen, als das Team zusammensass und sich eine Lösung überlegte. Irgendwann realisierten sie, dass es keine andere Option gab, als Miriam nochmals hochzuschicken und das ganze Netz ein bisschen anders zu spannen, damit das Seil, welches für den Reissverschlusseffekt herausgezogen werden sollte, weniger Widerstand hatte. Es war sicher eine mühselige Arbeit, aber für diesen fantastischen Effekt hat es sich gelohnt.

Das Publikum beruhigte sich erst wieder, als das Lied fertig war und ND und Sophal zusammen mit Chay und Vuthy (Pastoren von anderen Kirchen) zurück auf die Bühne kamen. Sie baten die beiden Herren für das ICF zu beten. Das Schlusswort gehörte Leo Bigger, dem Seniorpastor von ICF Zürich, welcher uns per Video das Beste wünschte.

Steve lud dann die Besucher zu ICF Cambodia ein, motivierte sie, sich im Foto-/Videobooth ablichten zu lassen, warb für unsere Facebook-Seite und kündigte das Tanzen um 21.00 Uhr an. Wir hatten 2000 T-Shirts mit genialem „At the Heartbeat of time“-Design machen lassen. Diese verteilten wir als Nächstes auf der Bühne, während das Buffet im wahrsten Sinne des Wortes gestürmt wurde. Da wir nicht genug Stühle hatten, mussten die Leute Ihre Stühle in die verschiedenen Esshallen mitnehmen. Chaos war natürlich vorprogrammiert. Zwar hatten wir genau ausgerechnet, wie viele Stühle in welchen Saal passen und diese mit verschiedenfarbigen Bändern gekennzeichnet. Als Steve das System auf der Bühne erklären wollte, hatten die einen nur noch Essen im Kopf, standen auf und begannen bereits sich in Richtung Buffet zu bewegen, ohne den Instruktionen zuzuhören. Einige nahmen ihren Stuhl mit und setzten sich direkt ans Buffet. Unser Team versuchte zusammen mit den Restaurantangestellten, die Menschen freundlich aber bestimmt an den richtigen Platz zu bringen. Nicht immer war es einfach. Alle waren hungrig und die meisten hatten noch nie so viel verschiedenes Essen auf einmal gesehen. Normalerweise gibt es Reis zum Frühstück, Mittag- und Abendessen – das hier war das Paradies. Entsprechend wurden auch die Teller gefüllt und überfüllt. Schlussendlich waren aber trotzdem die meisten Stühle am richtigen Platz. Gegessen wurde sowieso überall.

Ähnlich ging es auf der Bühne zu und her. Theoretisch wäre der Plan gewesen, dass die Besucher auf der einen Seite hochgehen, ihre Telefonnummer aufschreiben, ein T-Shirt nehmen und dann auf der anderen Seite wieder nach unten gehen. Dies klappte definitiv nicht so. Man konnte förmlich spüren, dass in den Köpfen nur noch der Gedanke an das Gratis-Shirt existierte und der Rest egal war. Die Menschen versuchten von allen Seiten – sogar vom Backstage-Bereich aus – auf die Bühne zu springen. Mehrere Helfer bemühten sich, ihnen klarzumachen, dass sie sich einreihen sollen. Andere bildeten doppelte Menschenreihen um nicht überrannt zu werden, welche dann ab und zu geöffnet wurde um ein paar mehr hochzulassen. Doch trotz der Absicht zehn hochzulassen, stürmten jeweils 20 herauf. Keine Überraschung also, dass es nicht schwierig war, alle T-Shirts wegzubringen.

Wie versprochen, begann der DJ ein wenig später, Musik aufzulegen. Während ca. 30 Minuten war die Halle ein einziger Tanzboden. Egal wo man hinschaute, ob in die tanzenden Menge oder die Zuschauerreihen, man sah lachende und zufriedene Gesichter. Viele hatten das neue T-Shirt übergestreift und präsentierten es stolz vor der Kamera. Konfetti wurde aneinander angeworfen, es wurde wie wild getanzt, geklatscht, mitgesungen, gejubelt. Es war eine einzige, riesige Party. Die Erde bebte. Die Bässe dröhnten aus den Lautsprechern. Die Atmosphäre war spektakulär. Die Energie der einzelnen Personen unglaublich. Die Freude greifbar.

Diese Freude breitete sich wie ein Feuer aus. Am Ausgang standen ND und Sophal und verabschiedeten jeden einzelnen Besucher mit einem warmen Lächeln. Die Menschen liefen zurück zu ihren Motorrädern, welche auf einem Parkplatz standen, welcher grösser als ein Fussballfeld ist. Sogar jener war trotz dicht geparkten Motorrädern voll.

Wir hoffen, dass dieses Grand Opening in jedem einzelnen Besucher einen Samen gepflanzt hat. Ein Same, der aufbrechen und zu einer Pflanze heranwachsen wird. Wir beten, dass die Menschen gemerkt haben, dass es nicht irgendeine Show für irgendeinen erdachten Gott war, sondern dass es eine Vorstellung des einzig wahren und lebendigen Gott war, für den wir als ICF arbeiten. Wir beten für Neugierde und ein Verlangen in den Besuchern – und in jedem, der davon hört, mehr darüber zu erfahren.

Das Beste kommt noch. Wir freuen uns darauf!

PS: alle Fotos wurden von mir gemacht.

Link zum genialen Countdown mit dem gelben Stuhl:
Countdown für Grand Opening

Video des Grand Opening: