Vom riesigen Reich zum brutalen Genozid – die Geschichte Kambodschas

Kambodschas Vergangenheit ist voller Tragödie, Krieg, Grausamkeit, Mord, Kampf. Es ist eine wahre Geschichte über Menschen, welche ihre eigenen Nachbaren verfolgten und ermordeten, über Könige und ihrem Streben nach Zusammenhalt eines chaotischen und ruhelosen Landes. Leider wird es selten bis gar nicht an Schulen gelehrt, obwohl es viel gibt, das sich lohnen würde zu wissen. Lies hier das Wichtigste zusammengefasst.

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Frühzeit
Wenig ist über die Frühzeit vor und nach Christus bekannt. Wahrscheinlich waren dazumal mehrere kleinere und grössere Siedlungen und Königreiche in Südostasien verstreut. Jedes kämpfte gegen andere, verheiratete seine Söhne und Töchter mit anderen Stämmen um sein Gebiet zu vergrössern. So wurde es immer zusammenhängender. Zu dieser Zeit beeinflusste Indien nicht nur den Handel aber auch die Religion; neben Buddhismus war auch der Hinduismus weit verbreitet. Dank der Entwicklung des Nassreisanbaus konzentrierte sich die Bevölkerung stetig an den Ufern der Flüsse Mekong und Tonlé Sap entlang.

Khmer Imperium Angkor 802–1431
König Jayavarman II wird als der Gründer des riesigen Khmer Imperiums angesehen und verehrt. Er kämpfte für Unabhängigkeit der javanischen Herrschaft. Im Jahr 790 n. Chr. wurde er König des Reiches „Kambuja“ und konnte endlich dessen Unabhängigkeit im Jahr 802 verkünden. Fast 100 Jahre später wurde die neue Hauptstadt (mit Namen Yaśodharapura) gegründet, welche heutzutage als die erste Stadt von Angkor bekannt ist. Er und die nachfolgenden Könige erbauten massenhaft Tempel und Kloster, welche Buddha so wie auch verschiedenen Hindu-Gottheiten gewidmet wurden. Der Bekannteste davon ist Angkor Wat, welcher im frühen 12. Jahrhundert gebaut wurde. Die geschätzte Bauzeit liegt zwischen 30 und 40 Jahren. Diese gigantische Tempelanlage bedeckte eine Fläche von 1,626,000 m² (17,502,118.31 ft²) und besitzt somit den Guiness Weltrekord als „grösste religiöse Struktur“. Kaum verwunderlich zählen ihn einige als 8. Weltwunder. Ursprünglich wurde er der Hindu-Gottheit Vishnu gewidmet, jedoch bewegte sich die Nutzung im späten 13. Jahrhundert allmählich in Richtung Theravada Buddhismus, wo sie auch heute noch so ist.

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Die goldenen Jahre
Während dem 12. und 13. Jahrhundert erstreckte sich das Reich von der Grenze des heutigen Myanmar bis fast zu der Ostküste von Vietnam und nach Norden bis nach China. Heutzutage weisen Satellitenbilder auf, dass Angkor das grösste prähistorische Stadtzentrum auf der Welt war. Allerdings schadete das unglaubliche Wachstum auch dem Imperium: Alles wurde von Hand gemacht und natürlich ist dies eine enorme Belastung für die Bevölkerung und die Sklaven. Ausserdem gab es von Anfang an Unruhen – viele (Macht-)Kriege brachen aus und die Machtübergabe war nicht immer nach der damals herrschenden Ordnung; der stärkste würde den Thron übernehmen. Das erste Königreich der Thailänder, dessen Zentrum erst Sukhothai (später Ayutthaya) war, wurde im 14. Jahrhundert langsam mächtiger und dehnte sich aus. Leider ist der genaue Grund für den Fall des Angkor-Reiches wegen fehlenden Geschichtsdokumentationen unbekannt. Um die 15. Jahrhundertswende begannen die Aufnahmen still zu werden. Es ist gesagt, dass die Angkorische Monarchie bis 1431 überlebt hat.

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Machtverlust 1431-1863
Die Zeit von da an bis zum 19. Jahrhundert wird als die dunklen Jahre von Kambodscha definiert. Es war eine Zeitspanne von kontinuierlichem territorialem Verlust. Siam (heute Thailand) begann im Westen und Vietnam im Osten zu dominieren. Diese beiden Länder hatten andauernde Territorium-Kämpfe gegen einander, was die Lage für das in der Mitte liegende Kambodscha natürlich umso mehr verschlimmerte. Um das Jahr 1843, konnten die Khmer wenigstens erreichen, dass Vietnam und Siam eine geregelte, gemeinsame Oberherrschaft über Kambodschanischem Gebiet vereinbarten. Endlich begannen für kurze Zeit friedlichere Zeiten.

Französische Kolonie 1863-1953
Frankreich wurde von den Briten vom Handel mit Indien ausgeschlossen, was sie dazu bewegte, neue diplomatische Beziehungen in Indochina aufzubauen. Kambodscha war interessant. So geschwächt wie es war, würde es nicht fähig sein, gegen die grosse französische Armee zu kämpfen. Ausserdem war es froh, Schutz von ausserhalb zu bekommen, weil es immer noch befürchten musste, aus der Weltgeschichte zu verschwinden. Im August 1863 ging der Kambodschanische König Norodom einen Schutzvertrag mit den Franzosen ein. Im Gegenzug erlaubt er ihnen, sein Königreich zu erforschen. Ein paar Jahre später übergaben die Franzosen den Siam die Bezirke von Battambang und Siem Reap und forderten sie auf, dafür aus anderen Teilen zu verschwinden.

Offene Türen
Im Jahr 1923, nach etlichen Jahren voller Warten und Gebet, durften endlich zwei Missionarspaare nach Kambodscha einreisen. Bis dahin, waren die Türen geschlossen. Eines blieb in Phnom Penh (seit dem Niedergang von Angkor die Hauptstadt) und begannen, die Bibel auf Khmer zu übersetzen. Diese Arbeit würde Jahre andauern. Nach dem zweiten Weltkrieg mussten sie die ganze Bibel nochmals neu schreiben und drucken, da die Bedeutung und Rechtschreibung im ersten offiziellen Wörterbuch neu definiert wurden.

Unabhängigkeit 03-10/1945
1940 erlaubte Frankreich dem japanischen Militär Indochina zu durchqueren um Truppen in Nordvietnam zu stationieren. Als die Franzosen wegen dem andauerndem Krieg mit Japan (und später dem 2.WK) schwächer wurden, nutzte Japan dies aus und drang ins französische Protektorat von Kambodscha ein. Trotz dieser militärischen Präsenz liessen sie bis 1945 die Franzosen auf den administrativen Posten gewähren. Abzielend auf Unterstützung der Einheimischen, befahl Japan dann den französischen Kräften sich zu entwaffen. Am 9. März 1945 verkündete König Sihanouk die Unabhängigkeit. Zudem änderte er den französischen Namen Cambodge auf Kampuchea. Schlussendlich wischte er die Umschriftversuche ins lateinische Alphabet endgültig vom Tisch. Dies war ein bemerkenswerter Schritt, denn seither versuchte dies niemand mehr. Man könnte meinen, dies sei während mehreren Jahren passiert, doch eigentlich waren es nur wenige Monate. Diese kurze Periode von offiziellem „Frieden und Freiheit“ endete mit der Kapitulation von Japan. Ohne Zeit zu verschwenden übernahmen die Franzosen wieder.

Die Bewegung der Khmer Issarak
Kambodscha wurde nicht nur von anderen, gierigen Ländern zerstört sondern auch von eigenen Landsleuten. Die schlimmste Rebellengruppe waren die Khmer Issarak, eine gemischte Guerilla-Bewegung, welche aus Linken und Anti-Monarchisten bestand. Sie terrorisierten nicht nur frei selektierte Dorfbewohner sondern auch radikal die noch immer kleine und junge Christengemeinde. Diese wurden als Sympathisanten der Franzosen angeschaut und mussten Patriotismus zeigen, indem sie zu Buddhistentempel gehen und an den Ritualen teilnehmen würden. Die Issarak bekamen Unterstützung von Thailand im Westen und Vietminh im Osten. Allerdings gab es keine eindeutige Führungsperson, welche die Bewegung zusammen gehalten hätte.

Administration von Sihanouk 1953–1970
Als König versuchte Sihanouk, die Franzosen zur Anerkennung der Unabhängigkeit zu bewegen. Für dieses Ziel riskierte er seinen Thron, doch zu seiner Hilfe kam die immer schlechter werdende Militärsituation in Indochina. 1953 gewährte die französische Regierung endlich den Kolonien Kambodscha, Laos und Vietnam Freiheit. Am 9. November 1953 verkündete der erneute Held Sihanouk die Unabhängigkeit vom Königreich Kambodscha, welches im Mai dann an der Genfer Konferenz anerkannt wurde. Dies war sowohl das Ende für die französische Kontrolle wie auch die Issarak, welche keinen Grund mehr hatten zu existieren. Nur ein paar Monate später übergab Sihanouk seinen Thron seinem Vater. Somit konnte er sich als Prinz in der Politik engagieren. Die Innenpolitik bestand hauptsächlich daraus, Buddhismus zu schützen, gegen Ungerechtigkeit und Korruption zu kämpfen, ein Gefühl von Patriotismus, Treue und Einigkeit zu wecken und die gesamte Situation zu beruhigen.

Vietnamkrieg
Neutralität war während den 1950er und 1960er Jahre der wichtigste Teil der Aussenpolitik. Zumindest redete Sihanouk (nun Staadtsoberhaupt) offiziel davon, neutral zu bleiben. Doch in Wirklichkeit drückte er sein Land direkt in den Vietnamkrieg indem er den nordvietnamesischen Kräften erlaubte, die östlichen Provinzen als Militärstandorte im Krieg gegen Südvietnam und die USA zu benutzen. Dort entstand dann das untere Ende des Ho Chi Minh Pfades, auf welchem die Vietnamesen Nachschub vom Hafen in Kambodscha bis in den Norden Vietnams und umgekehrt transportierten. 1969 wurde die USA zu beunruhigt und begann eine Bombenkampagne, um diese Stützpunkte zu destabilisieren. Sihanouk sorgte sich darum, dass sich der Krieg nach Kambodscha ausdehnen würde. Aus diesem Grund lehnte er die Amerikaner nicht ab solange keine Einheimischen getötet würden. Alles in allem warf die USA tausende Tonnen über kambodschanischem Gebiet ab.

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Bürgerkrieg 1970-1975
Nach der Machtübernahme von Lon Nol (von der Nationalen Versammlung gewählt) wurde das Land in „Khmer-Republik“ umgenannt. Schwierigkeiten liessen nicht lange auf sich warten. Die neue Regierung war pro-Amerika und anti-Vietnam, was schlussendlich die sogenannte Neutralität definitiv beendete. Plötzlich wurde die Nordvietnamesische von neuen Machthabern bedroht, immerhin hatten sie immer noch viele wichtige Stützpunkt im neuerdings verfeindeten Gebiet. Schnell orientierten sie sich um und begannen, die noch kleine Guerillagruppe Khmer Rouge zu unterstützen. Bis zum Jahr 1975 war extrem viel los in Kambodscha. Diese lange und komplizierte Geschichte ist kurz gefasst eine Ansammlung von Kriegen. Die wichtigsten Gruppierungen waren folgende: Südvietnam mit USA gegen Nordvietnam (Vietnamkrieg) / einheimische Khmer gegen ethnische Vietnamesen in Kambodscha / Nordvietnam mit Khmer Rouge gegen den Rest. Da der Ho Chi Minh Pfad von der nordvietnamesischen Armee sowohl durch Kambodscha wie auch Laos (so neutral wie möglich) führte, wurden von den Amerikanern nicht nur Tausende Tonnen Bomben über Vietnam sondern auch diesen beiden Nachbarstaaten abgeworfen.

Das Ende der Kämpfe?
Diese brutalen Kämpfe hatten ein trauriges Ende im Jahr 1975, als die Khmer Rouge die Errichtung des „Demokratischen Kampuchea“ bekannt machten. Es mag ein Ende der Bürgerkriege gewesen sein, aber es war der Anfang vom Kambodschanischen Genozid, einem der grausamsten in der Geschichte.

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Rückblick: Pol Pot’s Geschichte
Saloth Sar (später Pol Pot) wurde als achtes von neun Kindern in einer Reisbauerfamilie geboren. Im Jahr 1949 bekam er ein Stipendium von der Regierung und reiste nach Paris, wo er Radioelektronik studierte. Während dieser Zeit interessierte er sich stark für die Theorien von Marx. Ausserdem schloss er sich der französischen Kommunistischen Partei an. Damals studierten viele Khmer in Frankreich, da Kambodscha ja noch eine Kolonie war. Mit einigen von ihnen führte Saloth Sar später die Khmer Rouge.

Ohne sein Studium zu bestehen kehrte er 1953 wieder nach Kambodscha zurück, wo er für die „Kampuchean People’s Revolutionary Party“ (KPRP) wie auch als Lehrer für Geschichte und französischer Literatur zu arbeiten begann. Es wird gesagt, dass er von Kollegen wie auch den Kindern respektiert wurde. Ein paar Jahre später übernahmen er und seine Freunde der Studentengruppe die Kontrolle der Partei. 1963 wurde er zum Generalsekretär ernannt, dem höchsten Posten der Partei. Allmählich entwickelte er die Ideologie der Khmer Rouge. Zudem bewegte Saloth Sar seine Position langsam in eine absolute.

Khmer Rouge 1975-1979
Während diesen zahllosen Kämpfen (wie oben beschrieben) machten die Khmer Rouge die Schwachheit zu ihrem Vorteil. Mitte 1973 kontrollierten sie bereits über die halbe Fläche des Landes, wo etwa ein Drittel der Bevölkerung lebte. Im April 1975 kollabierte der Widerstand der Regierung und die Khmer Rouge nahmen Phnom Penh ein. Saloth Sar wurde von der neuen Regierung zum Premierminister gewählt. Er nannte sich von da an „Bruder Nummer 1“ und wählte Pol Pot als „Kriegsnamen“. Ausserdem änderte die neue Verfassung den Namen des Landes auf „Demoktratisches Kampuchea“. Sein Ziel war es, einen selbstversorgenden Staat zu gründen, wo dann der Schlüssel in der Landwirtschaft lag. Pol Pot erklärte das Jahr zum „Jahr 0“. Die gnadenlose Strategie sah vor, die Gesellschaft vom Kapitalismus, Religion und ausländischen Einflüssen zu säubern. Die Khmer Rouge regierten wahnsinnig brutal und mit unglaublicher Grausamkeit. Nachdem Phnom Penh in ihre Hände gefallen war, begannen sie diese 2Millionenstadt aufs Land zu evakuieren. Es war weder die erste noch die letzte Stadt. Den Menschen in vielen anderen Städten wurde ebenfalls befohlen, ihr Zuhause zu verlassen. So entstanden viele Geisterstädte. Die Menschen mussten dann auf den Feldern arbeiten und bekamen nur streng rationiertes Essen. Mitglieder der alten Regierung, Staatsbeamte, Polizei, Lehrer, Ausländer (sogar Vietnamesen), Christen und Muslime, Behinderte, gebildete Leute und solche der Mittelklasse wurden identifiziert und hingerichtet. Mit der Zeit war es egal, was man machte, sie würden immer einen Grund finden, die Person zum Tode zu verurteilen, auch wenn es nur das öffentliche Trauern über den Tod eines Angehörigen war. Wenn drei Leute miteinander sprachen, konnten die Khmer Rouge sie als Oppositionsführer anklagen und verhaften. Das Regime war extrem paranoid.

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Todeslager
Es war ein unbeschreiblicher Genozid: Menschen wurden erst ins Gefängnis geschickt, wo sie ausgefragt und gefoltert wurden. Lastwagen brachten dann die Gefangenen zu den Todeslagern. Viele mussten ihr eigenes Massengrab noch selber graben. Der Befehl sagte klar: „Patronen sollen nicht verschwendet werden.“ Deswegen erschossen die Soldaten selten die Opfer. Entweder sie begruben sie lebendig oder töteten sie mit gefundenen Sachen wie: Palmblätter, welche eine messerscharfe Kante haben um sie zu köpfen, Äxte, Knüppel, … . Während diesen Abschlachtungen wurde oft laute Musik gespielt, damit niemand Verdacht schöpfen würde. Nach der Exekution schütteten sie chemische Substanzen über die Körper um zum einen den Gestank zu vermeiden und zum anderen die lebendig Begrabenen zu töten. Eine andere Regel besagte, dass man „das Schlechte“ vollständig ausrotten musste. Wenn also ein Familienmitglied ins Todeslager geschickt wurde, musste oft die ganze Familie mit.

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Unzählige Todesopfer
Die Menschen, die (noch) nicht verhaftet wurden, hatten keine Rechte mehr für Freizeitaktivität, Meinungsfreiheit, Privatbesitz, Bildung, Gefühle auszudrücken. Hunderttausende starben den Hungertod, wegen Krankheiten und Erschöpfung der harten Arbeit. Das Leben war eine endlose Tragödie in einem mauerlosen Gefängnis. Die Diskussion über wie viele Menschen ihr Leben während der „Khmer Rouge Revolution“, welche drei Jahre und acht Monate lang andauerte, verloren, ist noch immer nicht abgeschlossen. Die Dunkelziffer bewegt sich zwischen geschätzten 1.7 und 3 Millionen. Dies würde etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung ausmachen. Schlimm war zudem, dass es während den 70er Jahre kein einziges Land interessierte.

Drehpunkt – der Fall vom demokratischen Kampuchea
Mit dem Ziel, ihr Territorium zu erweitern, begannen die Khmer Rouge an den Grenzen zu Thailand und Laos zu kämpfen. Ausserdem wollten sie das Mekong Delta zurück, welches einmal ein wichtiger Teil des Khmer-Reiches war und über welches sich die Khmer schon seit langem mit Vietnam stritten. Dieser andauernde Streit war ja auch einer der Gründe der angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Im Dezember 1978 marschierte Vietnam in Kambodscha ein und bereits am 7. Januar 1979 nahmen sie Phnom Penh ein. Dadurch zwangen sie die Führer der Khmer Rouge nach Westen zu fliehen. Mitte der 80er Jahre verliessen sie dann endlich das Land um in Thailand Zuflucht zu finden.

Leben nach den Khmer Rouge
Von 1979 bis 1990 war das Regime der Khmer Rouge immer noch als der einzige legitime Vertreter von Kambodscha anerkannt. Trotzdem half Vietnam der Bevölkerung eine neue sozialistische Regierung aufzubauen. Dies bedeutete zwar ein erneuter Verlust der Unabhängigkeit, war aber immer noch besser als die Brutalität der letzten Machthaber. Oder zumindest dachte und hoffte man, dass es besser werden würde. Denn der Krieg zwischen Kambodscha und Vietnam dauerte an. Ähnliche Zustände wie früher kamen auf: Vietnam besetzte Kambodscha, Thailand wollte in den Osten Kambodschas expandieren, China, die USA und andere Nationen ünterstützten jeweils ihre Verbündeten. Unzählige Landminen wurden gelegt. Hungersnot herrschte weiter, zumal dank der vorangehenden Misswirtschaft kein wirkliches, funktionierendes System gab und viel durch Kämpfe und Bomben zerstört wurden. Es wird geschätzt, dass nochmals 0.5 bis 1 Million Menschen während den 80er Jahre verhungert sind. Es gab keine Polizei, keine Schulen, keine Bücher, keine Spitäler, weder Post noch Telekommunikationsdienst und kein Rechtsystem mehr. Die Khmer begannen, die buddhistischen Tempel und Kloster, welche von den Khmer Rouge schlimm beschädigt wurden, wieder aufzubauen. Ein grosses Hindernis war, dass alle Experten sowie Lehrer fehlten, da diese während Pol Pots Regierungszeit ermordet wurden. Getrennte Familien begannen, ihre Verwandten zu suchen, die aus den Städten vertriebenen Leute wanderten zurück zu ihren ursprünglichen Wohnungen. Ca. eine halbe Million lebten als Flüchtlinge in Camps an der Thailand-Kambodscha Grenze.

Wiederaufbau von Friede und der Monarchie
Schliesslich endeten zehn Jahre der vietnamesischen Besetzung im September 1989. Zwei Jahre später unterschrieb die Vietnamesische Regierung das Pariser Friedensabkommen, welches Frieden nach Kambodscha bringen sollte. Und nun, nach so vielen Jahren des Leidens, war eine bessere Zukunft spürbar. Hilfswerke kamen nach Kambodscha und halfen beim Wiederaufbau. Im Jahr 1993 genehmigte das Parlament eine neue Verfassung, ernannte einen neuen Premier Minister (Hun Sen) und mit Norodom Sihamoni als neuer König wurde sogar die Monarchie wiederhergestellt. Einige Monate später anerkannte die Regierung den Genozid und die Kriegsverbrechen, welche von den Khmer Rouge begangen wurden. Es brauchte nochmals vier Jahre, bis sich die Khmer Rouge endlich komplett auflösten. Das ist noch nicht mal 20 Jahre her!

Khmer-Rouge-Tribunal
Im Jahr 1997 gab es erste Versuche, ein ausserordentliches Gericht für die Khmer Rouge zu eröffnen. Wegen Verhandlungen, welche alles verzögerten, dauerte es noch bis März 2006 bis der Generalsektretär der Vereinten Nationen Kofi Annan sieben Richter nominierte. Ein Jahr später begann der erste Prozess gegen Kang Kek Iew (auch Duch genannt). Er wurde zu einer lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Man sagt, dass momentan weitere Prozesse gemacht werden, allerdings wird alles geheim gehalten. Es ist auch gar nicht einfach, zum einen müssen erst die Führenden herausgefiltert und aufgespürt werden, da die meisten ja Übernamen hatten, ausserdem sind viele inzwischen verstorben. Auch Pol Pot verstarb im Jahr 1998 ohne jemals verhaftet worden zu sein.