Vorbereitungen – oder: Wie es plötzlich Lösungen und Leute regnete

Wer mich gut kennt, weiss, dass ich kein Organisationsliebhaber bin. Schlussendlich funktioniert zwar (fast) alles, auch wenn meistens die letzten Details sehr kurzfristig geklärt werden. Als ich vom Reisen zurückkam (31. Oktober 2013), wusste ich, dass ich eine Arbeitsstelle suchen musste und ausserdem viel zu organisieren hatte. Vom meisten hatte ich keine Ahnung, darum war es umso schöner zu realisieren, wie es von allen möglichen und unerwarteten Seiten Lösungen und Leute regnete.

Das Heimkehren allein war nicht einfach. Als ich noch auf Reisen war, war meine Familie umgezogen, weg von dem Haus, wo ich während ca. 15 Jahren gelebt hatte und weg von der Kleinstadt, wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin – in ein kleines Kaff, wo ich absolut niemanden kannte. Zuerst musste ich mein neues Zimmer einrichten. Mein erster Spaziergang mit meinem Hund endete fast im Nirgendwo, da ich die Gegend kein bisschen kannte. Es war ein spezieller Wechsel für mich. Nie hatte ich Gelegenheit dazu gehabt, unserem früheren Haus „tschüss“ au sagen. Nun hatten wir Nachbarn im selben Haus, Freunde wohnten nicht mehr um die Ecke und der mir bekannte Wald war über 40 Zugminuten entfernt. Gott sei Dank kann ich mich schnell an neue Umstände anpassen. Darum dauerte es nicht lange, bis ich mich wohl fühlte. Mein Motto während dieser Zeit war „konzentriere dich auf das Positive“ – und das ist, was ich machte und was meine Augen öffnete um die Vorteile darin zu sehen.

Vier Tage nachdem ich angekommen war, besuchte ich meinen früheren Arbeitsplatz. Ich dachte überhaupt nicht darüber nach, dort nach einem Job zu fragen. Ich wollte meinen Ex-Mitarbeitern nur einen Besuch abstatten, zumal ich auch sie vermisst und es ihnen versprochen hatte. Ihr Empfang war unglaublich warm und die Frage, wann ich wieder beginnen würde zu arbeiten, liess auch nicht lange auf sich warten. Als ich die Geschäftsleitung antraf, fragten sie mich dasselbe. Von so viel Spontanität war ich total überwältigt. Und auch als ich ihnen erzählte, dass ich wegen den Kambodscha-Plänen nicht lange bleiben würde, änderte dies ihre Meinung nicht. Für sie reichte aus, mich zurück zu haben. Die Entscheidung war nicht allzu schwer: Ich sagte zu und ich bereute es nie. Dies war definitiv ein Wunder. Es bedeutete, dass ich weder aufs Arbeitlosenamt noch mich bewerben musste, und zudem gleich beginnen konnte. Und wie jedermann weiss: Ein Job ist nahe verbunden mit Geld und dieses konnte ich gut gebrauchen.

Eine Frage war, wie lange ich in der Schweiz bleiben würde, resp. in welchem Zeitraum ich wieder abfliegen würde. Aber auch hier kam bald eine Lösung: Meine Schwester fragte mich, ob ich sie im Sommer bei einem kurzen Zwischenhalt in Lissabon (sie flog nachher nach Kolumbien) begleiten würde. Da sie bereits gebucht hatte, war die Frage nicht mehr wirklich, welches Datum ich wählte, sondern eher, ob ich kurze Ferien mit ihr machen wollte oder nicht. Natürlich war dies eine nützliche Gelegenheit, nicht nur den Kopf zu leeren und zu relaxen, sondern auch, die Zeit in der Schweiz hinter mir zu lassen, bevor ich in einem komplett neuen Umfeld, wenn nicht sogar Leben landete. Unnötig zu sagen, dass ich mich wahnsinnig darauf freute, noch ein paar Tage mit meiner Schwester verbringen zu können, bevor wir für Monate getrennt sein würden.

Eine wunderbare Geschichte ist die über meine Verwandten. Dank Facebook lernte ich meinen Onkel kennen, ohne dass ich wusste, dass er mit mir verwandt war. Er wusste dies von Anfang an, aber ich brauchte einige Wochen um es herauszufinden. Er war einer von zwei Personen, die mir über den ICF in Kambodscha erzählt hatten. Zurück in der Schweiz traf ich ihn und seine Familie und sogar noch ein paar andere Verwandte, die ich bis dahin nicht gekannt hatte. Es stellte sich heraus, dass sie für eine Missionsorganisation, welches in Asien tätig ist, arbeiten. Zudem hatten sie für lange Zeit in der Mongolei gelebt. Durch dies haben sie das ideale Wissen, wenn es um Asien, im Ausland leben, Freiwilligenarbeit, etc. geht. Sie waren – und sind immer noch – extrem hilfreich für Tipps und Tricks und Ermutigung.

Wo ich meine Haustiere lassen würde, war ein anderes Problem. In unserer neuen Wohnung waren keine Katzen erlaubt. Ich liebe meine Katze und es war – und ist immer noch – herausfordernd, akzeptieren zu müssen, dass sie nicht bei mir leben durfte. Freunde von uns boten an, sie bei sich aufzunehmen. Somit bekam sie ein neues, grossartiges Zuhause.
Zusätzlich konnte ich auch meinen Hund nicht mit nach Kambodscha nehmen. Ehrlich gesagt, es war einfacher, jemanden zu finden, der ihn behalten würde, als es für mich war, den Fakt hinzunehmen, dass ich ihn wieder einmal mehr verlassen würde. Als ich ein Kind war, wollte ich immer einen Hund. Ich bekam ihn vor ca. 5.5 Jahren, besuchte mit ihm die Hundeschule, erzog ihn und konnte eine stärkere Beziehung zu ihm aufbauen als irgend sonst jemand. Er war schon immer mein kleiner Sonnenschein, ein Grund für stundenlange Spaziergänge, eine Art „zurückzieh-Insel“ vom Alltag, er war immer daheim, wenn ich zurückkam und begrüsste mich täglich mit einer gewaltigen Ladung Freude…
Unsere Nachbarn, die sich bereits tagsüber um ihn gekümmert hatten, wenn wir arbeiten waren, beschlossen irgendwann, ihn zu übernehmen, sobald ich die Schweiz verlassen würde. Dies ist eine andere geniale Lösung, sie kennen und lieben einander – was will man mehr?

Und es gibt noch eine Person, die ich hier speziell erwähnen möchte. Eine junge Frau zog im Dezember in die Wohnung neben uns. Wir verstanden uns sofort und trafen uns hier und da. Sie war einmal in Afrika für einen Missionseinsatz und studiert nun das Coachen von Leuten, die ins Ausland gehen, resp. Ausländern, welche in die Schweiz kommen. Sie bot mir an, ein immer zuhörendes Ohr zu sein, wann auch immer ich Schwierigkeiten hatte. Das ist einfach nur wunderbar. Wegen ihrer Ausbildung hat sie viel mehr Wissen über fremde Kulturen, Leute von anderen Ländern, das Arbeiten in einem wild durchmischten Team und anderen Dingen, die Probleme machen können, wenn man im Ausland ist.

Klar, es gäbe noch viele andere Leute zu erwähnen. Freunde und Familienangehörige, welche hilfreich, ermutigend, aufbauend und bereit waren resp. weiterhin sind, zuzuhören und vieles mehr. Falls ich alle aufzählen würde, würde dieser Beitrag noch lange nicht enden. Dazu kommen natürlich noch diejenigen, die sich bereit erklärten, mich finanziell zu unterstützen. Deren Geld ermöglicht mir, die Kambodscha-Pläne auszuführen.
Manchmal, wenn ich zurückschaue, bin ich einfach nur sprachlos, wie viel in so kurzer Zeit passierte, wie viele scheinbar unmögliche Fragen eine Antwort bekamen, wie viele (fremde) Leute mir zur Seite gestellt wurden, …
Es kann kein Zufall gewesen sein.
Denk darüber nach. Wunder passieren immer noch.