„Zu tun, was man mag, bedeutet Freiheit, …

…zu lieben, was man tut, bedeutet Zufriedenheit.“

Bitte entschuldige, dass ich solange nichts geschrieben habe. Ehrlich gesagt war ich wahnsinnig beschäftigt. Nicht nur machte ich es mir mehr und mehr gemütlich, sondern es ging auch nicht lange, bis ich mit vielen neuen Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert wurde. In den ersten Tagen meinte ich noch, dass ich einen ruhigen Start haben werde und auch nie extrem gestresst sein werde. Ich dachte, dass ich jede Woche mindestens einen halben Tag hätte, um für meine Webseite zu schreiben. Doch dies waren nur meine Gedanken. In der Realität kam alles anders. Nun schreibe ich, sobald ich ein paar leere Minuten finde, damit ich diesen Eintrag baldmöglichst fertig bringe. Einmal liess ich mein Motorrad waschen und schrieb während dem Warten oder wenn es wegen Regen eine Pause gab bei der Filmarbeit, nutzte ich auch diese. Und nun, wo ich krank bin, habe ich sogar Zeit, mein Geschriebenes zu veröffentlichen.
Sicherlich fragen sich nun die einen oder anderen, was ich tagein, tagaus mache. Lass es mich erzählen.

Zeitmanagement
Während zwei Sitzungen mit Sophal und ND Strupler, dem leitenden Paar, erklärten sie mir, was sie von mir erwarteten, sowie, welche Aufgaben sie mir gerne übergeben würden.
Das Wort „Arbeit“ bekam hier eine komplett neue Definition. Grundsätzlich darf ich meine Zeit selber organisieren. Das wichtigste ist, dass ich die Sachen innerhalb der vorgegebenen Zeit fertig bringe. Das ist grossartig, wenn es um die Flexibilität geht, bringt aber auch einige Schwierigkeiten mit sich, zumal ich mich diese Arbeitsweise überhaupt nicht gewohnt bin. Am Anfang fand ich es wahnsinnig schwer, herauszufinden, wie ich die Zeit am effektivsten nutzen kann. Wie die Einheimischen arbeiten wir sechs Tage die Woche (manchmal sogar sieben).

Wöchentliche Termine
– Gottesdienste: 3x am Sonntag, mit Briefings, Gebetsrunden, gemeinsamen Abendessen, Auf-/Abbau, etc. dauert der Tag von 7.00 Uhr (aufstehen um 6.00!) bis mind. 21.00 Uhr, ca. 3 Stunden Pause am Nachmittag.
– Sitzungen:
__ganzes ICF-Team: 2x à 2-3h
__Team EVENT: mind. 1x à 1h
– Smallgroup: 1x mind. 2h
– Sprachunterricht: 2x à 1h plus viiiel Selbststudium

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Volles Haus am Sonntag

Meine Aktivitäten/Aufgaben

Mein Team „EVENT“
Bisher wurden vier verschiedene Events von jeweils einem Einheimischen mehr oder weniger gut organisiert. Mir wurde nun die Aufgabe übergeben, diese vier Leute in einem Team zusammenzubringen, sie anzuleiten, ihnen das Budgetieren, das Organisieren und vor allem auch das Vorausplanen – und vieles mehr – beizubringen. Dafür erarbeite ich momentan unter anderem ein Konzept, also eine Art Starthilfe für die Kambodschaner, welche, ehrlich gesagt, extrem wenig über das strategische Planen wissen. Ausserdem haben wir fast wöchentlich einen der vier Events, daher gibt es extrem viel zu planen und im Nachhinein zu analysieren.
Unsere Events haben zwei Hauptziele: 1. freie Zeit mit anderen Leuten der Kirche zu verbringen, miteinander Spass zu haben und neue Leute kennenzulernen. 2. Ermutigen wir sie, Freunde einzuladen, welche somit mit uns und ICF in Kontakt kommen und das Interesse am Glauben in den einzigen lebendigen Gott geweckt werden kann. Ich bin mir sicher, dass sie unsere Freude und Liebe spüren, was sie ja nicht von überall her erfahren.

Ich will nun kurz diese vier Events beschreiben:

Sportevent mit Kimlong
Wir mieten Sportfelder, spielen Fussball, Volleyball oder so zusammen, halten ein kleines Turnier ab.

Mithelferpoolparty mit Mouykea
Wir treffen uns an einem Samstagnachmittag, essen zusammen, machen Spiele im Pool oder auf dem Areal, schwimmen. Wie es der Name sagt, ist dieser Event nur für das (60-köpfige) Team vom ICF.

„Fun ride“ (Fahrradfahren) mit Dara
Meistens treffen wir uns früh am Morgen und pedalen zu einem bestimmten Ort, wo wir dann Gruppenspiele spielen, rennen machen, essen, die Gemeinschaft geniessen und schlussendlich wieder zurückfahren.

Einige Eindrücke unseres letzten Fahrrad-Events:

„Fun day“ mit Sopheap
Dieser Event soll für alle interessant sein. Darum versuchen wir, ihn so speziell und genial wie nur möglich zu machen. Wir treffen uns in der Stadt und fahren dann entweder mit dem Fahrrad oder dem Motorrad zu einem See, Wasserfall oder ähnlich. Dort haben wir dann ein unterhaltsames Programm: wir essen, spielen, schwimmen, geniessen, fotografieren, posen, … … …
Das letzte Mal war eine richtige Herausforderung: Sopheap hatte Urlaub, darum musste ich alles mehr oder weniger selber organisieren/delegieren, obwohl ich noch nie so einen „Fun day“ erlebt hatte und sowas noch nie gemacht habe. Dazu kamen viele unnötige Diskussionen in unserem Team, was das Ganze noch verschlimmerte. Aber in alles in allem schafften wir es schlussendlich und es wurde ein fantastischer Event. Überzeuge dich selber:

Smallgroup
Für drei Wochen ging die Familie Pink in den Heimaturlaub. Während dieser Zeit war ich für die Leitung der Smallgroup mit zwei Khmers verantwortlich. Ich habe das logischerweise noch nie zuvor gemacht, noch war ich in einer in der Schweiz. Somit war das eine ganz neue Erfahrung für mich. Smallgroup nennen wir das wöchentliche Zusammenkommen, wo wir dann erst zusammen essen und dann ein kleines Spiel machen. Anschliessend nehmen wir uns Zeit zu worshippen und dann einen kurzen Video mit dem Pastor von dem vorangegangenen Sonntag zu schauen, wo er uns herausfordernde Aufgaben gibt. Ich rede dann selber noch ein bisschen darüber und dann teilen wir uns in Minigroups (3-5 Personen) auf und gehen tiefer auf das Thema ein. Normalerweise sind in der Smallgroup um die 20 Leute anwesend.

Schilder aufstellen am Sonntag
Klingt langweilig, ist aber einer der coolsten Jobs: Es ist nicht die mühselige Arbeit an sich; Schilder ins Auto würgen, zu verschiedenen Strassenecken fahren und aufstellen resp. am Abend wieder zusammensammeln – und dies bei +/- 30°C und ultrahoher Feuchtigkeit. Aber was es speziell macht, ist, dass ich das coolste Auto im Land fahren kann (siehe Bild). In der Schweiz, oder wahrscheinlich in der ganzen westlichen Welt, wäre so eines nicht mehr zugelassen. Weder Fenster, noch Türen, noch Sicherheitsgurte, noch eine gut funktionierende Bremse, noch Geschwindigkeitsanzeige, … gehören zu der Ausstattung! Aber hier ist die Regel: Solange es sich bewegt, darfst du damit fahren.

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Natürlich gibt es noch einige andere Sachen zu tun, wie zum Beispiel für die Webseite und den Sponsoren-Newsletter zu schreiben, mein Selbststudium von Leiterschaft und der Sprache und anderes, was ich jetzt nicht alles erwähnen möchte. Sobald ich mehr Zeit habe – voraussichtlich nach dem Grand Opening – werde ich wahrscheinlich damit beginnen, die Buchstaben/Schrift zu lernen.

Grand Opening – Eröffnungsfeier
Wir waren in den letzten Wochen extrem beschäftigt wegen dem Grand Opening, welches am 7. September stattfinden wird. Bis dann wird ICF Cambodia ein Jahr hier gewesen sein. Es wird das offizielle Kick off und die Gelegenheit sein, zu zeigen, dass das ICF hier in der Stadt ist. Und was noch viel wichtiger ist: Wir hoffen, Leute neugierig machen zu können, sodass sie mehr über Gott und das Christentum erfahren möchten. Alle von uns haben verschiedene kleinere und grössere Arbeiten bekommen.

Countdown
Knapp vor einem Jahr, als ich schon mal hier war, filmte ich folgenden: Countdown 2013. Dieser war ein grosser Erfolg und die meisten erinnern sich heute noch daran. Aus diesem Grund wählte ND mich aus, wieder einen neuen zu machen. Die Vorgaben sind nun ein bisschen anders und auch die Art und Weise zu arbeiten wurde verkompliziert: Ich werde von unserem Videoteam (alle einheimisch) unterstützt, das heisst, dass sie die Menschen ansprechen und ihnen erklären, was wir machen und wie wir es wollen (dies ist viel einfacher so, da sie ja die Sprache können). Zudem werden die Teilnehmer dann gleich zum Grand Opening eingeladen. Mein Part ist es, ihnen Anleitungen und Ideen zu geben: wohin, wer, was, wie. Zudem versuche ich, sie zu ermutigen, ihre eigenen Ideen zu bringen. Mir ist es wichtig, dass ihre Selbstständigkeit – welche nicht allzu sehr präsent ist – während diesem Projekt zunimmt. Einmal, dies war noch ziemlich am Anfang, fragten wir zwei Frauen, welche auch erst zusagten. Doch dann diskutierte mein Team die Szene zu lange und die beiden gingen schlussendlich, weil sie keine Zeit hatten, zu warten. Meine Leute waren sehr enttäuscht, beschämt und verurteilten sich dafür, dass sie diese Möglichkeit verpassten. Einer meinte dann, dass sie von nun an nur noch auf mich hören würden und alles machen würden, was ich sage. Ich antwortete, dass dies genau das Gegenteil davon sei, was ich eigentlich will. Ich will, dass sie zu mir kommen und fragen, „wie wäre es mit dieser Idee und jener Person…?“. Wir hatten ein kleines Tief. Nach einer Coca Cola und einem innerlichen, kurzen Gebet, vergassen sie die Enttäuschung und wurden besser und besser. Nun kamen sie doch ab und zu mit einer Idee, sogar als wir beim Abendessen waren. Sie konnten nicht aufhören und wollten sogar dort filmen…!
Zusätzlich ist ein anderer grosser Unterschied, dass wir Motorräder haben, welche es uns ermöglichen, zu vielen verschiedenen Drehorten zu fahren.
Die Filme werde ich dann schlussendlich nachbearbeiten und schneiden, wozu ich allerdings erst noch das Programm kennen lernen muss. Youtube ist mein Lehrer 🙂

Einige Eindrücke unserer Arbeit:

Scheinwerfer
Auch am Event selber werde ich im Foto- und Videoteam sein. Für eine Fotoecke und um andere Sachen zu beleuchten, brauchen wir natürlich Scheinwerfer. Wir haben zwar einige wenige Ständer, Befestigungen und Scheinwerfer bereits, brauchen aber mehr. Diese Sachen zu organisieren, war ein spannendes Abenteuer:
Für die Ständer fuhr ich die Hauptstrasse auf und ab und fragte in diversen Shops. Ich fand schlussendlich drei, welche tatsächlich solche Ständer hatten, doch die Preise reichten von $35 zu $50 (!) für ein 2er-Set. Ich ging also nochmals zum günstigsten Laden und konnte noch einen Rabatt von immerhin $2 aushandeln.
Die Befestigung für die Scheinwerfer waren relativ einfach zu beschaffen: Ich ging zu einem von vielen Schweissern und bat ihn, unseren zu kopieren. Dies machten sie tadellos, sogar inkl. Kabel und Stecker. Er fragte mich, bis wenn ich es brauchen würde und ich meinte, wann auch immer er fertig damit sei. Darauf meinte er, dass er es nicht soo schnell machen könne, wahrscheinlich nicht mehr am gleichen Tag, aber sicherlich bis zum nächsten Tag. Ich war sprachlos, ich hatte erwartet, dass ich eine Woche warten müsste.
Die Scheinwerfer waren ebenfalls nicht so schwer zu bekommen: Ich musste nur zuerst einen Laden finden, wo es die gab. Sie mussten dann nur noch ein Kabel und Stecker daran festmachen und dies kam seeehr kambodschanisch heraus. Zwar ist der Strahler an sich IP65 (hohe Schutzart), jedoch da, wo das Kabel zusammengeflickt ist, ist der Schutz gleich null. Ausserdem wollten die mich noch reinlegen, indem sie mir 9x 3000K gaben und 1x 6500K (verschiedene Lichtfarben). Dumm nur, dass ich auf diesem Gebiet gearbeitet hatte und somit besonders auf diese Details achte. Trotzdem liebte ich den Laden, die hatten alle Arten von alten Lichtquellen – sogar die gute alte Glühbirne!
Dies alles mag jetzt schnell und einfach klingen, jedoch sollte nicht vergessen werden, dass wir immer noch von Kambodscha reden und es enorm viel Zeit frisst: den geeigneten Laden mit angemessenen Preisen zu finden, die Preise runterzuhandeln, …

Freizeit
Momentan habe ich nicht viel Zeit, um nichts zu tun. Doch bald will ich ein Fahrrad kaufen, denn eigentlich sollte ich zur Abwechslung auch was Sportliches machen – wurde extrem faul. Zudem habe ich mit ND abgemacht, dass wir im November an einen 10km-Lauf gehen. Na toll, was ich mir da spät am Abend mit schon längst ausgeschaltetem Hirn und dem einem oder anderen Schluck Wein intus wieder eingebrockt habe… Dafür sollte ich übrigens auch mal noch trainieren. Und Sportschuhe wären auch von Vorteil – denke nicht, dass ich das mit den Flip Flops machen kann… 🙂

Ich liebe, das ich so viel zu tun habe. Es ist auf jeden Fall anstrengend aber auch spannend. Ich liebe all diese Herausforderungen und Abenteuer, mit denen ich täglich konfrontiert werde. Ich liebe es, mit Kambodschanern zu arbeiten, auch wenn es manchmal echt taff ist. Ich liebe es, hier zu sein!

Zu tun, was man mag, bedeutet Freiheit. Zu lieben, was man tut, bedeutet Zufriedenheit.“

Ich bin definitiv beides: frei und glücklich!